Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg war.
So lange bin ich noch nie mitgefahren, immerhin stehen auf meinem Tacho fast 1400 km.
Ich war zum ersten Mal dabei, wie der Kringel sich schließt, wie die Reise an ihr geplantes Ende kommt, im Idealfall wieder zurück an den Ausgangspunkt. Und hab erfahren wie wichtig das ist.
"THE QUEST", ist unser Motto, und das hab ich bisher gar nicht gewußt. Man muss sich das vorstellen wie im Märchen "von einem der auszog das Fürchten zu lernen" oder wie bei "Herr der Ringe". Es gibt eine Aufgabe, z.B. "suche den Ring, und vernichte ihn", es gibt Weggefährten und eine Karte oder Wegbeschreibung. Und dann läuft man los, oder fährt mit dem Rad.
"Fahrt in die Große Hansestadt, dort erwarten euch unsere Verbündeten und bringen euch auf den Weg. Richtet euch gen Nordwesten, bis zum Nordmeer. Dann haltet euch immer der Küste entlang bis ihr ins Land der Wikinger kommt. Der Wind wird euch hilfreich sein. Kreuzt dieses Land bis ihr an das östliche Meer kommt und fahrt wieder gen Norden. Hier seid ihr am nördlichsten Punkt eurer Reise. Dann müsst ihr das Meer überqueren, seid auf der Hut, welchem Schiff ihr euch anvertraut, denn die See ist stürmisch. Auch dieses Land ist beherrscht von den Wikingern, sie sind wild und windgeprüft. Haltet euch Richtung Süden, immer am Meer entlang, der Wind wird versuchen eure Rückkehr zu verhindert. Lasst euch nicht in Versuchung bringen, die Reiseroute zu ändern. Haltet euch immer an euren Plan, bis ihr wieder, über mehrere Inseln in Hamburg landet."
Was wir suchen müssen, habe ich nicht erfahren, ich weiß auch nicht ob wir es gefunden haben, aber ich habe diesen Ratschlag an "Manfred den tapferen Abenteurer" noch gehört: "Deine Gefährtin ist ein Wasserwesen, das solltest du nie vergessen. Sie sucht das Wasser, sie muss in jedes Wasser auf eurem Weg eintauchen und es steht dir nicht zu, ihr dies zu versagen. Es wird euch manchmal vom direkten Weg ablenken, doch auch dies ist Teil deines "Quests". Vergiß nie, dass sie nichts vom Ziel und Sinn eurer Reise weiß, denn sie ist guten Glaubens, dass sie eine vergnügliche Reise angetreten hat."
Tja, so ähnlich war das! Und es war eine super schöne Reise, manchmal ein bisschen anstrengend, aber so soll das ja auch sein. Und manchmal konnte ich einfach nur auf dem Rad sitzen und in die Gegend schauen, ...vor allem beim Rückenwind. Oder an einem Steg an der Ostsee mit dem wunderbaren glatten Wasserspiegel und der sanften Morgensonne. Oder beim Sundowner in einer netten Straßenkneipe, wo die Sonne noch lange nicht untergegangen war.
Den Norden haben wir dieses mal befahren, wo es wohl das nächste Mal hingeht? What ist the next Quest?
(m) Es war für uns beide eine sehr lehrreiche Reise. Aber, Friederike! Eine "Quest" ist kein Motto! Es ist der Sinn, das Ziel, d i e R e i s e an sich!
(Kleiner Einschub, zum besseren Verständnis: Die Stürme und der enervierende Gegenwind führte, wie bekannt, dazu dass wir unsere Reise ein wenig modifiziert haben. In diesem Zusammenhang war auch davon die Rede, das "GROSSE ZIEL" - das Schließen des Kringels" in Frage zu stellen, und in diesem Zusammenhang haben wir uns erstmals über den "Sinn" unseres Reisens unterhalten)
Vielleicht habt Ihr es schon geahnt. Ich bin ein ganz großer Fan von Samira El Ouassil und Friedemann Karig und ihren "Erzählenden Affen".
Die "Heldenerzählung" - die Quest ist natürlich nicht ganz ernst gemeint gewesen und doch...
Was mir an unseren Reisen so gefällt ist, was letztendlich auch die Heldenerzählung ausmacht. Das "Ziel" der Heilige Gral, das "Wasser des Ewigen Lebens", "Vernichte den Ring", "lass den Todesstern explodieren" - sind im Grunde "Mac Guffins" wie Alfred Hitchcock Truffaut erklärt hat.
"Ein McGuffin ist ein mehr oder weniger beliebiges Objekt, eine Person, eine Aufgabe, um die Handlung auszulösen oder voranzutreiben."
Keiner nimmt den Mac Guffin ernst, aber ohne ihn würde ich mich natürlich nicht aufs Rad setzen.
"Es könnte ein schottischer Name sein, aus einer Geschichte über zwei Männer, die Zug fahren. Der eine Mann fragt: "Was ist das für ein Päckchen in der Gepäckablage? "Nun", sagt der andere Mann, "das ist ein Mac Guffin". "Was ist ein MacGuffin?" "Ein MacGuffin ist eine Vorrichtung, um im schottischen Hochland Löwen zu fangen." "Aber im schottischen Hochland gibt es doch gar keine Löwen". "Nun, dann ist es eben auch kein MacGuffin." "Sehen Sie, ein Mac Guffin ist gar nichts." (frei zitiert nach Truffauts "Wie haben Sie das gemacht Mr. Hitchcock")
Aber im Grunde hat der alte Goethe es viel einfacher und viel schöner ausgedrückt, was mir an unserer Art durch die Gegend zu ziehen so gefällt:
GEFUNDEN
Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn..
Ihr kennt das Gedicht. Aber genau das ist es.
Es war auch dieses Jahr wieder so. Je weniger klar ist, was einen erwartet, desto spannender sind die Entdeckungen und Begegnungen, die man auf seiner Reise macht.
Von "klimasskeptischen" Grönländern, über mutige Ärztinnen, die gegen Tiefgaragen kämpfen, von dämlichen Bismarcknachfahren bis zu "Wikingermüslis in 4 einfachen Lektionen", von Sperrwerken, die ab Freitag 15:00 geöffnet werden, bis zu AgaAga Taucherinnen auf japanischen Inseln. Von Gotteslob singendem Orpheus bis zu Revolutionslieder schmetternden chinesischen Matrosen. Von netten Reiseleiterinnen, die uns erzählte, dass sich Grenzen "mit dem Herzen verändern lassen" bis hin zu Löwen und Dämonen unter weiblichen Röcken. Von Spaziergängen durch den Regenbogen von Aarhus, bis zu den Sturmböen von Frillesas...
"The Quest"- den Kringel zu fahren ist ein wahrer Mac Guffin.
Meine liebe compañera de viaje! Wir werden - sí dios quiere - weiter an Deinem Verständnis für die wahre Quest arbeiten. Beziehungsweise, ich werde versuchen, das nächste Mal unsere Heldenreise , ein bisschen mehr zu einer Helden*innenreise zu machen.
Ich könnte mir vorstellen (da komme ich wieder auf meine Lieblingsautor*innen von den erzählenden Affen zurück) - dass wir das nächste Mal:

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen