Sonntag, 18. Juni 2023

4.Tag: Von Büsum nach Husum

 18.Juni 2023

die Karte

Moin!

das ist die Begrüßung für alle Gelegenheiten und Tageszeiten. Man kann es kurz und zackig aussprechen, "Mon", oder langsam und deutlich "Mojn" oder man es kann auch fast so singen oder flöten wie die Franzosen ihr "bon jour", so gefällt es mir am besten. Die Leute grüßen hier sehr gerne, auch auf dem Radweg und es erinnert mich wirklich an unsere erste Radtour in Frankreich.

Von Büsum sind wir heute eine ganze Zeitlang den Damm entlang gefahren 



Hinterm Damm sind hübsche reetgedeckte Häuschen, mit Rosenbüschen und gepflegten Gärten mit Aussicht direkt.... auf den grasbewachsenen Damm.  Das meiste sind wahrscheinlich Ferienhäuser, Das Meer war nicht da, und außerhalb von Büsum war es sehr sehr weit weg. Da kann man sich vorstellen, bei einer Wattwanderung verloren zu gehen. 

An manchen Stellen mussten die Schafe sogar im Watt herumstaken und das Grünzeug abknabbern. Ob die das freiwillig machen? Oder gibt das die berühmten Salzwiesenlämmer?



Das ist der Badestrand von Tönning, ein paar Kinder haben riesige Matschhaufen gebaut und sich bis zum Gesicht eingesaut mit diesem braunen Schlamm. So machts wahrscheinlich Spaß.



Beim Eidersperrwerk gab es eine große Vogelkolonie, unter anderen von Küstenseeschwalben, die jährlich bis zu 80 000 km zurücklegen, um hier zu brüten. Und die haben einen Höllenlärm gemacht....und gestunken hats wie bei den Pinguinen im Zoo.



Das Schönste war heute mein Bad in der Nordsee: als wir in Husum ankamen, war gerade Flut und etwas außerhalb des Städtchens gibt es einen netten, familiären Badestrand. Mit dem Rad gut zu erreichen, knapp drei km vorbei an Hafen- und Industrieanlagen. Ein paar Starndkörbe, ein Spielplatz, ein Kiosk und ein paar einfache Duschen, das wars. 
Das Nordseewasser war dunkel und aufgewühlt aber herrlich erfrischend und man durfte bis zu den Bojen schwimmen, Wenn man die Füße nach unten gestreckt hat, war der weiche Schlamm zu spüren. Viele Leute waren da, haben sich wohl gefreut, dass das Wasser mal wieder da ist. 
Und Sonntags trifft man sich hier wohl gerne.
Und zu feiern gibt es auch die ersten 200 km, beim einradeln an den Badestrand waren es genau 200. Ich glaube, so schnell waren wir noch nie, d.h. Manne bleib ja im Hotel und muss das noch reinholen, haha.


Und nun ich:

Büsum verhält sich zu Husum, wie Sylter Möchtegern Seebären in weißen Wollpulllis, blau gestreift, vorzugsweise lässig über der Schulter getragen -  bei Gosch (wo wir gestern tatsächlich in der Filiale gegessen haben) zu Werftarbeitern beim Sonntagspicknick!

Husum hat wirklich kein "Flair" aber dafür Charakter. Mir gefällt es hier. 

Aber noch einmal zurück nach Büsum. Wie hat schon Jakob Sperling in seinem Werk "Die Geschichte der Piraterie und seiner Spielarten", Verbrecherverlag, Berlin 2001 feststellte: "Neben den hinlänglich bekannten Formen der Piraterie wird eine weitere Variante häufig übersehen, die der Strandpiraterie. Über ihren Ursprung streiten die Fachleute. Häufig wird Cornwall und Wales genannt. Nach langjährigen Recherchen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass Strandpiraterie in Büsum schon seit über 500 Jahren belegt ist. Und im Gegensatz zu den Südenglischen Kollegen haben die Büsumer diesen lukrativen Brauch nie aufgegeben, nur erheblich effektiviert..." (S.221ff). 

Da kann man Jakob Sperling nur recht geben. Gestern haben wir bei unserer Ankunft eine Gästekarte bekommen, und wurden an der Rezeption darauf hingewiesen, dass wir sie immer mit uns führen müssen. Haben wir natürlich nicht gemacht. Abends am Strand bei unserer "Wattwanderung" haben wir festgestellt, dass man nur mit einer gültigen Gästekarte (zu je 6€  die uns vom Hotel in Rechnung gestellt worden sind) den Strand  betreten darf. Wir haben das natürlich igonoriert. Und wurden prompt von einem "Strandpiraten" ,- heute "Angestellter der Strandverwaltung" genannt, verfolgt. Wir haben ihn rechtzeitig erkannt und sind auf Nebenwegen wieder in den Ort zurück. Und auch heute Morgen, hätten wir eine neue Gästekarte "ziehen" müssen, um oben auf dem Damm nach dem (wieder einmal nicht vorhandenen) Meer zu schauen.

Büsum hat uns nicht überzeugt. Aber wahrscheinlich würde uns Sylt auch nicht gefallen. 

Dass wir allerdings gestern Abend


"Tina, Larissa & Norbert, Die Tanz- und Stimmungsmusik für Ihre Feier" verpasst haben, das ist schon sehr bedauerlich.

Ansonsten hat Friederike unsere Fahrt durch die Marschen, Felder und Wiesen ja schon beschrieben. 

An diesem  Stein haben wir  Mittagspause gemacht. "Lieber tot als sklav.."  dem muss man auf  jeden Fall nachgehen!!



"In der Schlacht von Oldenswort am 29. Juni 1252 wurde der dänische König, Kong Abel, von den Friesen zusammen mit seinem Heer geschlagen und auf der Flucht bei Husum getötet. Kong Abel, der Sohn Kong Valdemars II. und Herzog von Schleswig-Holstein (1232–1250) sowie König von Dänemark (1250–1252), zog nach Eiderfriesland, um die Friesen zu bezwingen und bei ihnen den geforderten Zins einzutreiben..." was ihm nicht gelangt. Die Nordfriesen versuchten in sein Lager einzudringen, es kam zur Schlacht. "..Schließlich endete die Schlacht für König Abel mit einer Katastrophe, denn sein Heer wurde vernichtend geschlagen, und der König musste fliehen. Auf dem Mildedamm bei Husum wurde er von einem Pellwormer mit dem Namen Wessel Hummel erkannt und erschlagen. " Diese Nordfriesen! Sieht hier oben alles so harmlos aus! Aber  "Schleswig Holstein, meerumschlungen.." war einfach jahrhundertelang Spielball der europäischen Mächte.

Spannend auch, dass zu diesem Zeitpunkt Husum noch nicht Hafenstadt war. Erst bei der "Groten Mandränke"  am 16. Januar 1362,  bei der auch Rungholt unterging, kam die Nordsee bis Husum.

Husum hat einfach mehr zu bieten, als das schnöselige Büsum. 

Auch wenn Husum heute kurz vor Mittsommernacht aus dem "strahlen" in der Abendsonne nicht herauskommt, so habe ich die Liebeserklärung von Theodor Storm an seine Heimatstadt , immer gut nachvollziehen können:

"Die Graue Stadt am Meer"

Am grauen Strand, am grauen Meer

Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn' Unterlass;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für 

Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer. 

 

Der gute alte Theo! 


Ich bin sicher, er hat die langen Sommerabende am Hafen von Husum nicht minder genossen!!
Einfach eine sehr schöne Stimmung, heute Abend!
Genießt den Sommerabend wo immer Ihr seid! Wir sehen uns Morgen, sí dios quiere!











1 Kommentar:

  1. Hallo Ihr zwei, wir haben grade Eure ersten Berichte gelesen und uns köstlich amüsiert. Toll, was Ihr erlebt und wie unterhaltsam Ihr das beschreibt, das ist ein wunderbarer Tagesausklang für uns, die wir wieder im schnöden Alltag angekommen sind und bei denen abends um 22 Uhr die Sonne schon woanders Dienst tut. Uns zucken die Beine beim Lesen und wir freuen uns auf Eure Fortsetzung!
    Jutta und Wolfgang

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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...