20.Juni 2023
die Karte
frieda: Was wir schon gestern gesehen haben, ist uns heute früh beim losfahren nochmal klar geworden. Jetzt sind Schulabschlußfeiern der Abiturienten und immer wieder begegenen uns junge Menschen mit Kapitänsmützen begleitet von stolzen Familienangehörigen. Heute früh eine junge Dame wie aus dem dänischen Bilderbuch: blondes langes glattes Haar, ein beiger wadenlanger Trenchcoat, Flipflops und: eine Kapitänsmütze, auf dem Weg zur Schule, mit ihren Eltern. Weitere Abiturienten strömen in die Schule.
In den dänischen Krimis sind die Kids dann die ganze Nacht auf Traktorenanhängern unterwegs, trinken und johlen und dann passiert etwas.
Es ist eigentlich schrecklich, wenn man die Hauptinformation über ein Land aus Krimis hat. Jedes Gehöft an dem wir vorbeiradeln ist ein potentieller Schauplatz von einem Verbrechen, oder könnte sein. Man sieht förmlich in den düsteren Keller hinein, oder in den gruseligen Stall in dem die Schweine grad noch etwas auffressen, ...ihr Krimiliebhaber wisst wovon ich spreche,... ihr anderen wollt es lieber nicht wissen.
Dabei sind die Dänen echt nett und freundlich und total entspannt. Wie schon gestern in Tonder sind die Unterkünfte offen, der Zimmerschlüssel liegt auf einem Tischchen und wenn man kommt muss man sich halt eintragen und ankreuzen, was man um Frühstück will. Bis dahin hat man noch keine einzige Person gesehen, maximal am Telefon gesprochen.
Wie damals in England, begleitet uns die Holunderblüte und der Holunderduft auf unserer Reise Richtung Norden.
Wir radeln heute teils im Landesinnern, teils an der Nordsee entlang, fast immer alleine. Einmal begegnen wir einer Gruppe von Schweizern, die Inselhopping per Fahrrd machen. Fenö, Römö, Hallig Hoge und andere. Das hat sich auch spannend angehört.
Seht ihr das einzelne Windrad am Horizont? das gibt es hier öfters und ich denke, dass sich da ein Bauer ein Windrad neben seinen Hof gestellt hat. Ökostrom ist offensichtlich Privatsache.
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So, nun geb ich weiter an den Manne, muss noch meinen Krimi fertiglesen.
(m). Ok. oder besser Hi,
Der erste Tag unter Dänen, Friederike hat es schon angedeutet war spannend.
Ob das bekanntes "Volkslied" recht hat, in dem es da heißt "..schau in sein Gesicht, und du wirst sehn, Dänen lügen nicht..." wirklich stimmt konnten wir bis jetzt nicht herausbekommen, wir gehen der Sache aber weiter nach. Ein anderes Rätsel hat sich für mich heute beim Frühstück geklärt. Ich habe mich immer gefragt, welche Vorräte die Wikinger in Ihren kleinen Booten dabei hatten, die sie bis nach Amerika gebracht haben. Seit Tondern weiß ich, es sind kleine schwarze viereckige Platten (3x5cm), aus dichtgepackten Körnern bestehend, minimal mit Teig verbunden. 2 dieser kleinen Platten haben völlig gereicht, um mich nach Ribe zu bringen. Mit vier von diesen Dänenbrotscheiben wäre ich auch bis Amerika gekommen.
Was noch? Friederike hat es schon gesagt. Dänemark riecht gut. Nicht nur nach Holunder sondern auch sehr intensiv nach Heckenrosen.
Was noch? Dänen tut sich mit wegschmeißen sehr schwer, was manchmal gut ist, so bleibt manches erhalten, aber wer braucht das Zeppelinmuseum von Tondern.
Was noch? Neues macht Ihnen genauso Angst wie den Niederbayern.
So langsam verstehe ich, dass Hygge nichts mit Sofakissen und Duftkerzen zu tun hat. Friederike hat schon erzählt, wie tiefenentspannt unsere bisherigen Gastgeber sind. Heute Abend auch wieder. An dem großen Gehöft, wo unser B&B sein soll, ist niemand. An einer Tür- zu den ehemaligen Ställen- steht B&B. Wir klopfen, nichts. Wir drücken die Türklinke runter, die Tür ist auf. Ein sehr geschmackvoller Frühstückstraum. Ein Tisch. Ein Zettel, 5 Schlüssel. "Manfred" hat Nummer 5. Auf dem Zettel steht noch die Bitte, wir sollen doch bitte drauf schreiben wenn wir Frühstück wollen.
Das Zimmer ist dann topp hygge, topp Danish Design.
Christian lernen wir dann später kennen. Sehr entspannt, sehr freundlich.
Ich glaube inzwischen hygge ist im Grunde ein "Zeitkonzept", das uns im Moment noch vor Rätsel stellt. Neben dem Dom und der Altstadt hat Ribe auch ein "Wikinger-Center". Da wir inzwischen wissen, dass hier sehr früh "Feierabend" ist, haben wir die letzten Kilometer noch einen Zahn zugelegt, um etwas über die Wikinger zu erfahren. Im Internet steht, das Freilichtmuseum ist bis 17:00 geöffnet. Wir sind um 15:15 da! Üppig Zeit. An der Kasse sagt die nette Dame "Jaaa, nee, um 4:00 machen wir zu. Und das Gelände ist groß." "Ok?" "Aber unsere Mitarbeiter gehen schon um 15:30 nach Hause, dann gibt es keine Vorführungen mehr. Eintritt ist 20€"
So spingsen wir ein wenig über den Zaun und bewundern die Mitarbeiter des "Themenparks Wikinger" bei ihrem würdevollen Weg nach Hause, nach getanem Tagwerk.
Hätte mich schon interessiert, welches "Wikingerbild" hier zelebriert wird. Ob den Jungwikingern mit tätowierten Runen auf der Wade, die sich im Wikinger-Shop mit Runensteinen für das Wikingerhoroskop und mit Runen-T-Shirts für 30€ eingedeckt haben, wissen, dass die Wikinger dank Harald Blauzahn schon seid Achtundertubak Christen waren.
Die drei großen "Nornen" am Eingang verstärkten meine Verdacht, dass hier ein bisschen die Wikingeresotheriker bedient werden. Aber immerhin habe ich keine Helme mit Hörnern gesehen.
Wie gesagt, ich hätte mir den Laden schon gerne angesehen- "Never judge a museum by it´s souvernir shop".
So blieb uns etwas mehr Zeit für die Altstadt von Ribe. Die Reiseführerpoeten werfen mit Superlativen nur so um sich. Zweitältester Dom, Ältestes Kloster, drittälteste....Aber der Dom ist wirklich beeindruckend.
Spätromanisch, und dann natürlich innen ein wilder Stilmix - in protestantischer Strenge versteht sich. Der mächte linke Turm, man kann ihn auf dem Bild gerade noch erkennen, kam später dazu, als der alte einstürzte und hat mit der Kirche nichts mehr zu tun. Er ist ein "Bürgerturm" für die Sturmglocken und den Turmwächter. Und auch im Inneren sind die "Bürger" überall präsent. So viele Portraits von Kaufleuten, Gründern von Ostindischen Handelskompanien, Finanzbeamten,
Ratsherren, Apothekern, Ärzten und Bürgermeistern,neben dem üblichen Klerus, versteht sich, habe ich in einer Kirche bisher noch nicht gesehen. Passt doch nicht so recht zu dem protestantischen Konzept, von wegen "mein Reichtum ist ein Zeichen dafür, dass Gottes Gnade auf mir und den Meinen ruht- das muss reichen! Nur nicht mit meinem Reichtum den Neid der Mitbürger erwecken." - Aber dann möchte man doch wenigsten in der Kirche hängen, um den Mitmenschen zu zeigen wie wichtig man ist.
Wir werden der Sache nachgehen.
Inzwischen ist es 22:30 ich schreibe auf der Terrasse hinter unserem Zimmer und schaue in die jütländischen Hecken. Es ist noch fast taghell. Morgen ist Mittsommernacht. Dann werden wir den ersten Ruhetag einlegen.
Bleibt uns gewogen - und schaut Morgen wieder rein! Bis dann.
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