Freitag, 23. Juni 2023

9.Tag: Von Kolding nach Vejle

 23.Juni 2023

die Karte


Der Morgen ist frisch, eher sehr frisch und grau. Die Ausfahrt aus Kolding problemlos.
Doch schon auf den ersten Kilometern wird deutlich, die Zeiten des flachradelns sind vorbei. Es geht gleich knackig nach oben, und von da an eigentlich ständig rauf und runter. UND! Der Wind passt heute auch nicht. Was habe ich bei der Planung falsch gemacht?

Aber das sollte alles kein Problem sein. Laut Routenplaner sind es knapp 50 km. 
An dieser Stelle, wer uns die letzten Jahre begleitet hat, wird sich schon gefragt haben, was ist los? Keine Probleme mit dem Navi? Ganz recht, habe ich bisher ausgespart. Zu Weihnachten habe ich ein neues Radnavi bekommen, in der Preisklasse ein bisschen zu gelegt, - ein Garmin.  Kann mit Komoot verbunden werden (Komoot, das ist für die Nichtradfahrer ein kostenloser Routenplaner, mit dem ich zu Hause am Schreibtisch, den Winter über auf Reisen gehe, sehr praktisch!).
Doch schon auf den ersten Etappen zeigte sich, dass ich und "Gernot" keine Freunde werden. Die Tagesetappen ließen sich zwar aufrufen, aber sobald irgend eine Umleitung kam, war das Gerät völlig von der Rolle. Ein richtiger Gernot eben. Selbst wenn man wieder auf der geplanten Route zurück war, bestand Gernot darauf, dorthin zurück zu fahren, wo man "falsch" gefahren ist. - Auch neue Ziele ließen sich nicht wirklich eingeben. Vielleicht lag es an mir, vielleicht am nervigen Gernot. Jetzt habe ich ihn ganz unten in die Satteltasche verbannt. Das hat er nun davon! Und wir radeln mit dem Smartphone und direkt mit Komoot - und das funktioniert wirklich toll. Und die Sprachausgabe ist auch hilfreich!
Doch das alles hilft nicht, wenn man sich entscheiden muss, ob man den Ausschilderungen folgt - Der nationale Radweg 5 - der die jütländische Ostseeküste entlangfährt ist super ausgeschildert. Aber manchmal auch super nervig. Weil er wirklich jede Bucht ausfährt. Und "buchteln" - mein neues Unwort der Reise - jagt das Tagespensum enorm in die Höhe. Bis wir gemerkt haben, dass der Fünfer den gesamten Vejleford abfahren möchte, war es schon zu spät. Reumütig kehrten wir zur Streckenführung von Komoot zurück. Unterm Strich sind es dann doch fast 60 km an Stelle der geplanten 51 geworden. 

Mittagspause in Fredericia. Der Hafen ist offensichtlich sehr geschätzt. Das Containerterminal beträchtlich. Das ist der Gammel Hafen (auch wenn gammel einfach alt bedeutet liegt der nächste Kalauer einfach zu nahe)
Aber ich will Friederike auch noch was zum Erzählen lassen.

frieda): ja es war ein sehr hügeliges Fahren, teilweise auf hohen Strandwegen mit Blick auf die Ostsee, teilweise mitten durchs Land, teilweise durch wunderbare Buchten.
Am Anfang war es zum Baden allerdings zu ungemütlich, grau und kühl. Und später dann, als es so richtig heiß geworden ist, kamen wir ein paarmal an recht schöne kleine Strände. Dann war ich echt im Zwiespalt: sofort hineinstürzen ins kühle Wasser?, lieber weiterfahren?, denn es war nicht so richtig absehbar, wie lange wir noch brauchen würden, kurz hineinspringen und gleich weiterfahren?, darauf hatte ich auch keine Lust, eigentlich wäre es toll gewesen, richtig lange zu schwimmen, aber die Reisegruppe war insgesamt doch  von der Streckenführung schon etwas genervt.....ja schade, denn nachmittags in Vejle gabs keinen Strand mehr. 
Jetzt, nach ein paar Tagen in Dänemark, fallen mir immer wieder Sprachverwandtschaften (oder eben auch nicht verwandt) mit dem Deutschen oder Englischen auf:



Zuerst liest man, "kreischende Radfahrer", aber klar, das ist es natürlich nicht, sondern "kreuzende Radfahrer", sowie auch das WarnSchild "legere Børne". Die Børne sind die Kinder,  das hatten wir wir schon auf den Speisekarten "Børnemenu" und bei Eintrittspreisen in Museen, und legere sind spielende. Kommt da vielleicht auch das berühmte"Lego" her?
"Frokost"bedeutet nicht Frühstück, sondern Mittagessen, dafür ist Frühstück ganz einfach: "Morgenmad". Und ist das Wort "Kro"- das heißt Gasthof- mit unserem "Krug" verwandt?
Witzig war auch wie oft ich das Wörtchen "Åben" gesehen habe. Zuerst an einer Tankstelle, ich dachte das sei eine Marke, dann ist es wieder an Geschäftstüren aufgetaucht und ich überlegte ob es vielleicht Abend heißt, also Abendöffnungszeiten. Aber es heißt einfach offen und das kann man hören, wenn man das "å" richtig ausspricht, nämlich fast wie ein o, dann hört man das englische "open" heraus.
Ja beim Radeln da kann man sich so seine Gedanken machen,- und man kann nichtmal schnell den Übersetzer fragen- besonders wenn's anstrengend wird hilft ein bisschen Ablenkung.

In  Hafen von Vejle empfängt das Fjordenhus Schiffe und Besucher. Es steht im Wasser und leider kann man nicht näher herangehen. Entworfen wurde es vom isländischen Künstler Olafur Eliasson, von dem wir in München zwei große, sehr interessante  Installationen gesehen haben. Das grüne Wasser in der Fondation Beyerlen vor zwei Jahren war allerdings eine Enttäuschung.



Vejle ist gar nicht so klein, hat eine hübsche Altstadt und war recht belebt, als wir ankamen.



Aber schon nach dem Abendessen waren die Bürgersteige hochgeklappt und auch das große Fest, dessen Lärm uns empfangen hatte, war schon zuende.
Was machen denn die Dänen mit den ganzen schönen Sommernächten?

Wir jedenfalls planen die morgige Tour mit einem richtigen Badestopp zur Mittagszeit.
Bis dann!





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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...