Samstag, 24. Juni 2023

10.Tag von Vejle nach Odder

  24.Juni 2023

die Karte

So sind wir heute morgen gestartet, die Sonne stand noch tief, die Stadt war immer noch leer und die Frühstückscafés haben gerade aufgebaut. Immerhin war`s da schon halb zehn.

Kurz nach dem Start: die ersten 500 km sind geschafft, juhuuu!



Die erste Hälfte unserer heutigen Strecke war superschnell, ein guter alphaltierter Radweg entlang einer Bundesstrasse. Bis Horsens waren es 25 km und dort haben wir einen Mittagessen/Badestopp eingeplant. Der Stadtstrand ist weitläufig, Ruhebänke und Vesperplätze, Spielgeräte, und Windschutzwände, sogar Hängematten unter großen Bäumen. Und ein großer langer Steg ins Wasser, das hier sehr sehr flach ist. Super für unseren Mittagstopp.





Das Wasser war recht kalt, sehr niedrig, aber egal, ich kann auch flachschwimmen. Da berührt mich etwas Weiches am Oberarm: eine große, weiße Qualle, kurz drauf noch eine, also trete ich den Rückweg an. Schade, aber immerhin sind diese Quallen offensichtlich nicht giftig, es hat überhaupt nicht gebrannt.
War trotzdem ein netter Stopp, aber danach war wieder, so wie gestern, die große Frage: den Radweg nr 5 Østkystruten, entlang der Küste oder mit dem Navi durchs Land, auf Radwegen oder kleinen Straßen. Zum Glück gibts manchmal auch einen "Kompromiss": erstmal den  "romantischen" Küstenweg, bis ich einsehe, dass er gar nicht immer entlang der Küste verläuft und dass er sehr anstrengend hügelig ist, und auch hier Autos fahren....dann bei einer passenden Abzweigung wieder zurück auf größere Straßen. Zusätzlich 10 km so wie gestern.
Und es gab wirklich sehr schöne Ausblicke, 
gaaaaanz hinten sieht man die Ostsee:



So, jetzt ist der Manne dran, der euch erzählen kann, dass man das alles schon davor auf der Karte gesehen hat, also das hügelige und das Meer weit weg. Ich glaub es inzwischen wirklich, ehrlich!

Also dann ich:
(m) Es scheint sich zum Dauerthema zu entwickeln, die Radschnellwege an den schnurgeraden Bundesstraßen, laden natürlich zum zügigen Radeln ein, vor allem, wenn wir, wie heute fast den ganzen Tag wieder Rückenwind haben und mit 20++ km/h durch die Felder schießen. Was nicht so toll ist, wenn aus dem Radweg neben der Straße ein Radweg auf der Straße wird und wenn dieser dann ganz verschwindet. Nun sind das keine schlimm befahrenen Bundesstraßen, aber zugegeben, "romantisch radeln" ist das nicht. Und so kamen die letzten Tage immer noch 10-15 km drauf. Auf  dieser Tour sind wir bis nur an einem einzigen Tag unter 60 km geblieben, das ist gut machbar, aber nicht unbedingt das entspannteste Radeln.
Da habe ich wohl dem Routenplaner von Komoot auch ein bisschen zu sehr vertraut. Liegt wohl auch daran, dass hier in Jütland die ganz eindeutig großen Fernwanderweg nicht so wirklich existieren. Dass sind mehr die regionalen Routen, die dem Radfahrer, der eine Ferienwohnung in der Gegend hat, die schönen Seiten von.... zeigen will, und ich dagegen muss nicht jedes schöne Fachwerkhaus oder Kirchlein des Weges gesehen haben. Lassen wir es gut sein. Wir werden eben von Fall zu Fall entscheiden, was gerade besser passt.


Ich habe wirklich nichts gegen schöne Dorfkirchen.

Odder ist ein kleiner Ort ohne wirkliche touristische Highlights. Auf seiner Homepage nennt sich Odder einen "reizvollen Eisenbahnort" - Eisenbahnort kann ich nachvollziehen. Reizvoll? 



Um 17:00 sind alle Geschäfte zu und noch kein Lokal geöffnet. Nur vor einer Kneipe ist es etwas belebter. Da setzen wir uns doch dazu. Ein Sundowner, vor dem Essen. 
Wie sich herausstellt sitzen die Gäste des Lokals nicht vor dem ersten Getränk. Wir sind in der lokalen Schluckerszene gelandet. Auch wenn die Zunge schon etwas schwerer ist, so sind zwei Damen sehr interessiert, woher wir kommen und wohin wir wollen. Wir erzählen es ihnen gerne mehrfach und erfahren dafür, dass man in Odder gut leben kann und dass "der da drüben" gerade vom Heavy Metall Festival von Kopenhagen gekommen ist. 14 Tage sei er dort gewesen. Eine Woche beim Aufbau geholfen und eine Woche den Müll weggeräumt. "He had the time of his life!" Odder gefällt uns immer besser.
"By the way.." meinte die eine der Damen "hopefully there will be rain on Monday", hopefully?
Ja ok, kann ich verstehen, es hat seit über 6 Wochen nicht mehr geregnet! "Sogar die St.Hans Feuer sind überall abgesagt worden, too dangerous!" Schade! Wir haben uns schon gewundert, dass gestern nichts zu sehen, hören oder zu riechen war! 
Dass es uns bei einer langen Reise mal erwischt, war zu erwarten. Wenn es Montag regnete, wäre das nicht soo schlimm. Wir werden sehen!  Oder wie Barbara sagt: Et küt wie et küt! 

Eine der beiden Damen empfiehlt uns unbedingt den "Syrer dort drüben" super Essen!
Dann glauben wir das doch. Vielleicht haben wir ja dieses Mal Glück. Nicht dass wir bisher schlecht gelebt hätten, aber über das Essen in Dänemark reden wir dann ein andermal.
Also gehen wir rüber zum Syrer. Das Essen ist wirklich lecker, auch wenn ich Küche der Levante irgendwie anders in Erinnerung hatte. Kreuzkümmel scheinen die Dänen nicht besonders zu mögen. Das haben sie mit meiner Schwiegermutter gemeinsam. Ich habe es einmal gewagt, ihr etwas mit Kreuzkümmel vorzusetzten, woraufhin sie meinte, "des schmeckt nach Mottenkugeln".
Doch dann wurde es richtig surreal. Still und heimlich hat sich in dem wirklich kleinen Lokal ein dänisches Gesangsduo eingefunden.


Mit Akkordeon und singender Säge unterhielten sie uns mit "du kleiner Zigeuner", "Aloa E, Aloa E" und "hey Pippi Langstrumpf" aber auch sehr ansprechendem "Gypsy Swing" (darf man das noch sagen?) Es war wirklich super.
Das habe ich eigentlich auf allen Reisen immer wieder erlebt. Wenn man zu einem Tagesziel einfach garnichts in Erfahrung bringt, weil es nichts erwähnenswertes zu bieten hat, dann werden die Abende oft richtig nett und interessant!
Morgen also Aarhus. Das ist nun schon der zweite grobe Schnitzer, der mir bei der Planung dieser Reise passiert ist. Weil Aarhus so viel zu bieten hat, sind wieder 2 Übernachtungen eingeplant. Blöd nur, dass Morgen Sonntag ist  - UND, ja kommt Ihr drauf? Genau! Danach kommt Montag, und Montag haben die Museen auf der ganzen Welt geschlossen! Wie dämlich kann man sein. Aber ich denke für das Aros kommen wir Morgen noch rechtzeitig an, und Aarhus hat garantiert viel mehr als nur Museen zu bieten!
Gehabt´s Euch wohl! Wir sehen uns Morgen!







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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...