03.Juli 2023
Das Pensionat Frillesberg hatte eine harte Nacht. Immer wieder knackte und knirschte das Gebälk, Irgendwo schlagen Äste gegen die Wand. Der Sturm wird immer stärker. Am Morgen hat es auch noch deutlich abgekühlt. Unsere Stimmung auch. Trotzdem schwingen wir uns auf unsere Räder.
Der Kattegattleden, der Radweg entlang der schwedischen Küste ist bestimmt schön, doch wir sind mehr mit dem Versuch vorwärtszukommen beschäftigt, als dass es Genussradeln gewesen wäre. Dort wo der Weg offen am Meer entlang geht, ist der Seitenwind so heftig, dass man Mühe hat auf dem Weg zu bleiben.
Dann gibt es wieder wunderschöne Abschnitte
Dann wiederum wendet sich der Weg manchmal ein wenig landeinwärts. Dann kommt der Wind von 5 Uhr. Dann schießt man für ein paar Kilometer nur so dahin. Dann dreht der Weg wieder zur Küste hin 12 Uhr. Mit Vollgas gegen die Schrankwand.
Die Gegend ist von Landwirtschaft im Inland und von Tourismus an den Buchten geprägt.
Mittsommernacht ist eindeutig vorbei.
Der Ferientourismus hat noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen. Oder sitzen vielleicht heute alle gemütlich in ihren schönen roten Ferienhäuschen, schauen zu wie der Wind die Bäume zerzaust und lachen sich einen Ast über die dämlichen Fahrradfernfahrer, die über die Lenker gebeugt in die Pedale treten? Heute waren erstaunlich viele Radtouristen unterwegs. Bislang hatten wir kaum mal jemand getroffen, doch heute konnte man sich immer wiedermal ein mutmachendes Hej, Hej zurufen, bzw. leicht die Hand heben; bei diesen Böen war es besser die Hände am Lenker zu lassen.
Sogar ein paar Kilometer Bahntrassenradweg gab es. Das ist die absolute Luxusklasse an Fahrradwegen.
Gegen 12:00 erreiche wir Varberg. Um uns Mut zu machen, haben wir gestern Abend beschlossen: Wenn die Wettervorhersagen so eintreffen (Sturm und Regen mit Windböen über 60 km/h), dann können wir ja in Varberg in den Zug steigen und 1 Station, 16 min, bis Falkenberg fahren.
Und so haben wir es dann auch gemacht.
Und jetzt wird Friederike erzählen, wie sie die letzten Tage erlebt hat.
Frieda): Ich hab immer behauptet, dass das schlimmste beim Fahrradfahren die Hitze ist. Bergauf fahren ist nicht schön, aber irgendwann ist man mal oben. Regen ist nicht schön, aber man kann sich ja einpacken.Wind ist nicht schön, aber wenn man stoisch weiterfährt kommt man ans Ziel.
Aber so einen Wind, solch einen Sturm wie die letzten beiden Tage habe ich noch gar nie erlebt. Mann kämpft gegen den Wind von vorne, es ist höllisch laut, und plötzlich kommt eine Böe von der Seite, zack, und hebelt einen fast vom Rad. Bzw schiebt einen ein Stück auf die Seite.
Zuhause würde im Südkurier die Warnung stehen, auf keinen Fall in den Wald zu gehen, am besten das Haus nicht verlassen. Hier liegen ein paar Zweiglein und Blätter auf den Wegen, alles andere bleibt oben, ist sturmerprobt. So wie auch die Menschen, die schon früh an diesen Sturm gewöhnt werden. Eine junge Familie kam uns auf dem Küstenweg entgegen, ein Kind mit der Fahrrad, wackelig aber tapfer im Wind. Das andere noch im offenen Kinderwagen, lag auf dem Bauch und hat seinen Kopf nach oben gestreckt um etwas zu sehen, keine Mütze auf dem Kopf, die zarten blonden Härchen flogen im Wind.
ja, wahrscheinlich sind wir einfach zu verweichlicht.
Die Landschaft ist sehr schön, das Meer grün und voller Schaumkronen:
wir kommen auch an hübschen Häuschen vorbei, wo selbst die Geranien sich tapfer gegen den Wind stemmen.
Und kurz vor Varberg an einem riesigen Naturschutz und Vogelbeobachtungszentrum:Naturum
Leider hat es montags geschlossen,-schade!- aber man konnte reinschauen: tolle große (windgeschützte!) Hallen mit großen Ferngläsern zur Vogelbeobachtung, Stellwände, Stege hinein in das Schilfgebiert.
Vor dem Zentrum waren die Küstenschwalben zugange:
In Falkenberg und unserem Hotel angekommen, haben wir dann ein bisschen umgeplant, denn es soll die nächsten beiden Tage regnerisch und sehr windig/stürmisch bleiben. Wir werden Morgen mit dem Zug bis Helsingborg fahren, schade. Dafür bleibt mehr Zeit in Kopenhagen.
Hinter unserem Hotel ist eine schöne Flußpromenade und die historische Tullbron Brücke. Ansonsten ist nicht viel los. Den Strand haben wir heute nicht besucht.
Unser Hotel heute heißt Hwitan- wir haben nicht rausbekommen was das heißt- und ist eingerichtet für große Konzerte im Hof. Heute aber ist nix los-, gottseidank, obwohl, vielleicht wäre das ja ganz witzig geworden.
Also dann: See you in Helsingborg, Morgen!












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