Dienstag, 4. Juli 2023

20.Tag: Von Falkenberg nach Helsingborg

 04.Juli 2023

die Karte


frieda) Heute waren wir schneller als der Wind....mit dem Zug nach Helsingborg, drei Tagesetappen übersprungen! Einige meiner Freundinnen haben unsere Entscheidung gelobt und unterstützt, heute nicht zu radeln, danke ihr Lieben!

Und das Zugfahren ist hier sehr bequem und preiswert. Fahrräder kosten nichts, Einstieg in den Zug ist ganz flach, Fahrradmittnahme allerdings nur wenn Platz ist. Als wir in Falkenberg eingestiegen sind, war ganz viel Platz, aber später dann waren in dem Abteil mehrere Kinderwägen plus Eltern und Kindern, eine Rollstuhlfahrerin, viele große Koffer (der Zug fährt durch zum Flughafen Kopenhagen) und außer uns noch ein Fahrrad. Ob sie da noch weitere Fahrräder reinlassen? Auf den größeren Bahnhöfen hat es Hilfspersonal, die einem den Weg zeigen, Fragen beantworten- so eine Art "grüne Damen" wie in Krankenhäusern- ob die den Zugang für Fahrräder dann stoppen?

In Helsingborg war ich schon einmal vor 7-8 Jahren mit Marie- weißt du noch?- das war der Startpunkt einer schönen Wanderung "Kattegattleden" Richtung Norden, im Prinzip so wie wir jetzt herunter gefahren wären.

Hier ein Blick vom Kärnan - die Burg die hoch über der Stadt wacht- auf die schöne Küste Richtung Norden:


und hier die Stadt:


Die Burg ist toll, die Aussicht fantastisch und auf den einzelnen Stockwerken des Turms gibt es sehr witzige Informationen, z.B. hier eine Lichtshow über die Geschichte der Burg, in einem dunklen Raum mit ein paar Sitzplätzen werden die Bilder an die Wand projeziert, man kann verschiedene Epochen auswählen und die Erklärungen auch auf englisch anhören. Zwei kleine Jungs wollten gar nicht mehr raus aus diesem Raum, es gab Eroberungen, die Burg wurde aufgebaut und wieder zerstört, Männer mit Äxten, die Pest, Ratten und Rattenfänger, Super


Auf einem anderen Stockwerk gab es Kostüme zum Verkleiden und "mittelalterliche" Spiele, z.B. so eine Art Halma "Zwei Füchse gegen 20 Schafe"- das haben wir gespielt und die Schafe haben gewonnen. Ratet mal wer die bedauerernwerten Füchse waren.

In der Marienkirche, von der Manne noch berichten wird, gibt es eine "Klagemauer", in die man Wünsche und Fürbitten stecken kann. Es ist auch eine Geschichte der Klagemauer in Jerusalem und der Vertreibung der Juden dabei.
Und hier habe ich ein paar Wünsche versteckt:





Und jetzt ist der Manne dran:

(m) Also gut: Warum sind uns die Menschen im Norden sehr sympathisch, aber manchmal auch ein bisschen unheimlich? Heute im Zug, - es waren genau 7 Kinderwagen in dem Fahrrad-, Kinderwagen-, Rollstuhlabteil. Aus einem Kinderwagen schauten winzige kleine nackte Füßchen hervor. Einem Mädchen war es deutlich zu warm, es zog sich bis aufs Unterhemd aus. Keines der Babies hatte eine Mütze auf, - ich saß in meiner dicksten Softshelljacke da - und mir war nicht warm. 
Wo immer wir in den letzten Tagen waren. Der/die Schwedin kleidet sich so: Kurze Hose, oder Rock, Birkenstock, keine Socken. Viele im T-Shirt, selbst am Abend -  wenn es hoch kommt eine kurzärmliche Jacke. 

WAs ist los mit Euch! Hier bläst ein brutaler Wind!!
 Wir sind nicht in Spanien!!! 

Aber vor den Lokalen  sitzen die Leute und trinken Sangria. Auf jedem Stuhl wird eine Decke angeboten und die Heizpilze sind am Laufen- und ein paar Topfpalmen kämpfen ums Überleben.
So funktioniert Sommer im Schweden.

Ich glaube, das nennt man Adaptation. Wenn ich an unsere Kinder denke, ohne Mütze und Schal? Bei Regen und Wind? Keine Socken? Man hätte uns wegen Kindeswohlgefährdung angezeigt. 

Unsere Adaptation geht leider nicht so schnell voran und die Wettervorhersage verheißt auch Morgen noch nichts Gutes. 
So schwer es mir gefallen ist, in den Zug zu steigen. Es war die richtige Entscheidung. Und für Helsingborg, Helsingør und Kopenhagen etwas mehr Zeit zu haben, ist ja auch nicht schlecht.
Helsingborg heute hat mir schon sehr gefallen.
Friederike hat schon vom Kärnan erzählt. 


Ironie der Geschichte, die Burg war jahrhundertelang, zusammen mit Helsingør auf der anderen Seite in dänischer Hand und hat den Sund kontrolliert. Die Schweden, unter Karl XI, haben die Festung zu Klump geschossen und gesprengt, um die Vorherrschaft Dänemarks zu stoppen. Nur der Kern, das Herz der Burg, der "Kärnan" blieb stehen und ist heute das Wahrzeichen der Stadt.


Wirklich beeindruckend, und eine atemberaubende Sicht. Auf der anderen Seite des Sunds konnte man die Burg Helsingør sehen.


Aber nur, wenn die Haare nicht im Wege waren (ich meinerseits, bin da fein raus!)

Aber Helsingborg hat noch mehr Überraschungen parat. Die Stadtkirche S:Ta Maria war für mich eine echte. 
Backsteingotik vom Feinsten, frühes 15.Jahrhundert. Und auch wenn sehr feine Kopien von Cranachs berühmten Luther und Melanchtonportraits am Ausgang hingen, der wunderschöne 16teilige Marienaltar blieb von der Reformation unangetastet.
Nicht minder bildmächtig die Renaissancekanzel von 1615.
Die passt natürlich schon besser in eine protestantische Kirche. Das Bildprogramm um die Kanzel herum ist eine einzige  gewaltige Predigt über die Gefahren allen irdischen Daseins.
Vom Ende her gedacht, das "Jüngste Gericht"


Daneben der Anfang der ganzen Misere, der Sündenfall, dazwischen, der Tanz ums Goldene Kalb hier usw., hier waren Profis der kirchlichen Einschüchterungspropaganda am Werk, das ist im Prinzip nichts gänzlich ungewöhnliches. Ein paar Details an dieser Kanzel sind jedoch sehr exquisit:


 Hinten, am Eingang zur Kanzel sind links und rechts zwei "heilige Damen", die Hände fromm zum Gebet gefaltet, doch unterhalb der Hände öffnet sich ihr Rock und-  herrschaftsseiten, da kommt ein gräusliches Monster hervor - bei der Dame rechts gar ein zähnefletschender Löwe. Da muss ich wohl nicht mit Psychologie kommen, das ist recht eindeutig. Warum diese Damen aber hinten, den Eingang zur Kanzel verziern , also dort wo nur die "Gottesmänner" hingehen, um gleich ihr Strafgewitter über die mehr oder weniger Gläubigen von der Kanzel herunter los zu lassen,  das überlasse ich der "schmutzigen Phantasie" der werten Leserschaft.  
 S:Ta Maria zu Helsingborg ist wirklich einen Besuch wert. Über ein Epitaph bin ich noch gestolpert, das in Beziehung zu einer Tochter Tycho Brahes gebracht wird, wobei ich da meine Zweifel habe. Ich vermute eher, dass es mit der berühmten ( oder leider nicht ausreichend berühmten) Schwester Sophie Brahe zu tun hat, die am Ende ihres Lebens nach Helsingborg gekommen ist. Leider ist es schon sehr spät geworden, aber der Biographie von Sophie Brahe muss ich unbedingt mehr erfahren. Eine hochbegabte Person, die von ihrem Bruder zwar gefördert wurde, der aber auch nicht glaubte, das Frauen und Mathematik zusammen gehören. 
Das ist das tolle am Reisen. An Tagen wie heute geht das Reisen nach dem Reisen weiter.
 Es gäbe zwar noch einiges zu erzählen, z.B., dass wir auf dem Heimweg vorhin, am Ingmar Bergmann Platz vorbei gekommen sind, der hier in Helsingborg am Theater, 1944-1946 gearbeitet hat und mit einigen seiner Schauspieler:innen von hier auch einige seiner berühmten Filme gemacht hat.- Aber jetzt soll es für heute gut sein.
Aber das muss ich doch noch loswerden. Ich habe davon zwar in Deutschland schon gehört,
aber ich konnte es fast nicht glauben. Es gibt sie aber tatsächlich:


"Zlatan" - Die Zeitschrift!!
Gehabt´s Euch wohl. Bis Morgen auf der anderen Seite des Sund!!



 




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...