Mittwoch, 5. Juli 2023

21.Tag: Mit der Fähre nach Helsingør



To beer or not to beer!
Helsingør ist großartig!

Wieder zurück in Dänemark. 


Die Fahrt über den Öresund war unkompliziert, harmlos und kurz. Seht Ihr unten unsere Räder zwischen den Lastwagen?


Hamlettown wir kommen!
Hier ist alles noch friedlich. Doch kaum sind wir wieder an Land geht der Sturm wieder gewaltig los. Regengüsse und heftigste Böen. Ich bin zwar nicht der Wetterexperte aber heute geht es Richtung Orkanböen. 
Wir sind schon kurz nach 10 am Hotel "Hamlet". Gepäck deponieren, kein Problem. Sogar für die Fahrräder wird ein Konferenzraum gesucht. Superfreundlich, super zuvorkommend, einfach nett!
Die Rezeptionistin sagt, dass hier alle meinen, das Wetter zur Zeit fühle sich wie Herbst an. Diese Stürme sind für den Sommer eigentlich untypisch. 
Da ist es ganz gut, dass wir für heute Kultur auf dem Programm haben. Mit dem Bus nach Louisiana. Das legendäre Museum, das mit Kopenhagen in Verbindung gebracht wird, aber viel näher an Helsingør liegt. 
D A S Louisiana ist ein Gesamtkunstwerk, eingebettet in eine wunderschöne Gartenlandschaft, direkt am Øresund, und einem spektakulären Skulpturengarten ist ein Ganztagesprojekt.



Aber leider ist das Wetter nicht dazu angetan, sich lange im Freien aufzuhalten.
Das Indoorangebot ist gewaltig genug.

Zuerst eine Sonderausstellung von dem isländischen Künstler Ragnar Kjartonsson - zu meiner Schande habe ich noch nie etwas von ihm gehört. Was es heute hier zu sehen gab war absolute Weltsonderklasse. Schande über mich.
Ragnar Kjartansson ist Maler, Musiker, Installationskünstler, Performer, Videokünstler, ein unglaublich breit aufgestelltes Talent.


2 große Räume voll von oben bis unten, mit Selbstportraits. Der Künstler in schwarzer Unterhose.
Ein Raum, der Künstler in Venedig, in Schwarzer Unterhose. "Tod in Venedig" ist die gewollte Assoziation.

Doch seine Musik/Klang/Video/Performances erzeugen Gänsehautmomente.


In diesem Raum sind mindestens 8 große Bildschirme. 8 Musiker in unterschiedlichen Räumen eines verlassenen "Schlosses"- aber vielleicht auch hunderte von Kilometern voneinander entfernt. Ein Pianist, eine Cellistin, eine Akkordeonspielerin, ein Schlagzeuger,  E-Guitarristen ..... und der Künstler in der Badewanne. Alle haben Kopfhörer auf, sind voneinander isoliert und spielen doch wunderbar zusammen. Und die Klanginstallation ist so perfekt austariert, dass man vor jedem der Bildwände den7die jeweilige/n Künstler:in so hört, als wäre man bei ihm/ihr im Zimmer. Das ist eine beklemmend gute Antwort auf die Coronazeit.


Dann 6 Leinwände im Kreis. Acht Gitarristinnen, spielen und bewegen sich durch einen Raum, tanzen, reagieren auf einenander , absolut synchron. -  Ragnars Antwort auf die Wahl Trumps zum Präsidenten. 
Harmonie, statt Hass, Miteinander statt Gegeneinander. Als diese Performance 2017 in New York uraufgeführt wurde, verstand man  das genau.Die Performance wurde mehrfach ausgezeichnet.
Der witzige, skurile Ragnar hat aber auch seine dunklen Seiten, die er nicht versteckt.


Ein ganzer Raum ist seiner Depression gewidmet.
Dazu noch  eine heftige Performance, ganz in Abramovic Manier, die ja sehr eng mit Louisiane verbunden ist,

Der Künstler, in echt, tastet sich langsam auf einem ganz schmalen Sims entlang, in Tuxedo und schwarzen Lackschuhen. Ganz langsam. Man sieht, er ist gesichert, und doch wird man zum sensationslüsternen Voyeur gemacht, man wehrt sich dagegen, ist betroffen oder verärgert, aber gleichgültig kann man nicht bleiben.
Ganz großartig.
Neben den anderen Sonderausstellungen gibt es natürlich noch die ständige Sammlung mit Schwerpunkt Dänemark und Skandinavien und den üblichen  internationalen Künstlern der 2.Hälfte des 20.Jahrhunderts.
Da fällt es schwer auszuwählen. Ich mache es trotzdem;


Die Tuschezeichnungen und Radierungen von Palle Nielson haben mich sehr berührt. Sehr ausdrucksstarke Blätter, eines in Dänemark offensicht sehr bekannten Künstlers.

Aber jetzt Du Friederike:

f) So viele tolle Bilder, Skulpturen und Installationen. 






Auch bei schlechtem Wetter ist das Lousiana sehr beeindruckend, aber ich hab mich natürlich auch immer wieder daran erinnert, wie wir vier "alten"Freundinnen vor 6 Jahren einen wundervollen Sommertag dort verbracht haben. Gell!
Bei der Musikinstallation von Ragnar Kjartonsson hätte ich den ganzen Tag bleiben können, begeistert haben mich aber auch die Bilder des Georgiers Niko Pirosmani-  ein ungewöhnlicher Maler-, der auf schwarzem Wachstuch malte


und damit einen unglaublich leuchtenden Ausdruck schafft:


Er hat Tiere und Menschen, Alltagsszenen gemalt, die meisten seiner Werke sind  in Tiflis entstanden- er ist 1918 gestorben.
Da wir im Westen wohl alle nicht so viel über Georgien wissen, wurden auch Infos und alte Fotos aus dieser Zeit in Tiflis ausgestellt:

Diesen Masseur in der Männersauna, den wünsche ich niemandem!

Zurück in Helsingør hat eine andere Ausstellung noch gelockt- eigentlich sind wir hauptsächlich wegen Laura reingegangen. (Das wäre dein Thema. Laura!) 



Das maritime Museum von Helsingør ist in ein altes Trockendock gebaut.

Auch ein tolles Museum, sehr kinderfreundlich, viele Mitmachaktionen, zum Beispiel "Trockensegeln"


und eben diese Ausstellung über die japanischen Taucherinnen, die nur mit ihrer Taucherbrille bis zu 9 Meter tief ins Meer hinabtauchen um Algen, Muscheln, Aga-Aga, Tintenfische zu "ernten".
Warum die Frauen und nicht die Männer: " The men were too cold to dive without diving suits. Women were cold too, but we persevered" sagt Jeong-J Kim, 86 Jahre alt, und Haenyeo.
Die meisten sind über 60 Jahre alt, Nachwuchs gibt es kaum:



Und dann sind wir noch ein bisschen in Helsingør gebummelt, es gibt ein großes Kloster und eine Domkirche, beides zu, was uns egal war, wir hätten nicht noch was besichtigen können. Und eine nette lebendige Altstadt (allerdings werden auch hier ab 18 Uhr die Trottoirs hochgeklappt)


Und Morgen müssen wir uns dem Wind wieder entgegen stellen. Jetzt gerade rappelts und bläst es, dass die Fensterscheiben vibrieren.















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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...