Immer noch keine Karte. Aber um die 20 km gefahren.
Frieda) und auf meinem Tacho ist jetzt der 1000-er überschritten!
Am letzten Tag in einer Stadt hat man manchmal das Gefühl, dass man doch schon das wichtigste gesehen hat, dann wird man ein bisschen unruhig... oder man läßt sich treiben. Und das haben wir gemacht.
Mein Highlight heute war das Havnebad!
Im Islands Brygge Havnebad sind mehrere Becken, mit Sprungturm, mit Kinderbereich, mit Holzplanken auf denen man sich sonnen kann. Und das alles schwimmt im Hafenbecken schwimmen, die Becken ständig durchspült vom Meerwasser. Es gibt sogar ein 50 Meterbecken, in dem man ganz in Ruhe seine Bahnen schwimmen kann. Mit Algen und leichter Meeresströmung.
Natürlich habe ich das ausgiebig genutzt, allerding hatte das Wasser nur 19 Grad und irgendwann muss man dann einfach raus.
Viel genutzt wird es von Familien mit kleinen Kindern- es kostet keinen Eintritt- und es ist ein herrliches Gewusel hier.
Der Tag hat aber natürlich nicht mit dem Bad angefangen. Aber heute gehts ein bisschen durcheinander.
Als wir morgens mit den Rädern losgefahren sind- das ist übrigens ein herrliches Fahren ohne das Gepäck!- sind wir an der Synagoge vorbeigekommen und während ich mich am Absperrzaun noch einlogge, um vielleicht eine Führung zu buchen, macht der Manne eine totale Hektik, "der läßt uns noch rein....", schnell Fahrräder anschließen, durch die Sicherheitsschleuse, dann soll ich links, der Manne rechts durch eine Tür und dann bin ich allein in einem leeren Treppenhaus. Beim Hochsteigen wird mir klar, dass heute Shabbat ist, dass wir an einem Gottesdienst teilnehmen und ich oben bei den Frauen auf dem Balkon gelandet bin. Nichts mit Führung.
Aber es war interessant, eine Frau hat mir gleich gezeigt, wo im Buch wir sind- linke Seite war dänisch, rechts hebräisch und ich habe die Ruhe genossen, ein bisschen mitgesummt, wenn eine Melodie mehrfach kam und mich ganz automatisch ein bisschen im Rythmus gewiegt.
War sehr entspannt.
Danach Kunst im SMK, das nationale Kunstmuseum, besonders die Sonderausstellung Barock hat mir sehr gut gefallen.
Sehr gute Texte und Erklärungen und im Hintergrund sehr dezent und sehr schön Barockmusik, hauptsächlich Dietrich Buxtehude.
Wir haben uns auch noch die nordische Kunst, die Franzosen und Europäer angeschaut.
Dieses Bild, von Jens Ferdinand Wilumsen, "die Bergsteigerin" hat mich sehr angesprochen. So elegant möchte ich auchmal in den Bergen unterwegs sein.
Gell Andi!!! Vielleicht sollten wir uns auch mal ein bisschen mehr stylen!
Manne hat sicher noch andere Lieblingbilder.
Und vor allem will er euch noch von einer sehr interessanten Begegnung heute morgen erzählen, nämlich mit Dante und mit Jette Ingerslev;
(m) Ok, das war Friederikes Tag.
Angefangen hat er eigentlich damit, dass wir heute Morgen, nachdem wir schon mindestens 3-4 mal in der Nähe der Glyptothek an einem kleinen Platz vorbeigefahren sind,angehalten haben. Eine Figurengruppe sah aus der Ferne aus wie die Bürger von Calais. Was für eine Überraschung. Von wegen Bürger von Calais!!! Die Figurengruppe ist die reinste Provokation.
Vier Schweine in langen Gewändern.

Und oben ein riesiger Stinkefinger. Alles in feinster Bronze. Wir sind ein bisschen ratlos. Ein Schild klärt auf. Das ist "Stop -Q-Park´s parking basement now!" OK, eine Protestaktion. Während wir noch versuchen uns ein Bild des Ganzen zu machen, kommt Jette Ingverslev, eine sehr beredete alte Dame auf uns zu und schenkt uns eine Postkarte. Sie ist Anwohnerin dieses schönen Platzes und kämpft seit Jahren in eine Bürgerbewegung dagegen, dass unter diesem Platz eine Tiefgarage mit drei unterirdischen Stockwerken gebaut wird. Zum einen, weil es, wie sie meint keinen Bedarf für ein solches Monsterparkhaus gibt, auch wenn Tivoli und andere Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind. Zum anderen, weil verschiedene Bohrungen in der Umgebung ergeben haben, dass der Untergrund höchst problematisch ist. Der Versuch des Museums gegenüber einen Keller auszuheben ist kläglich gescheitert, - er ist mit Wasser vollgelaufen. Ausserdem haben Gutachten ergeben, dass die historische Bausubstanz um den Platz gefährdet sein könnte. Die Glyptothek und den Platz hat Carl Jacobsen gestiftet, der Besitzer von Carlsberg. Jette erklärt uns auch, dass die obersten Stockwerke rund um den Platz als Ateliers eingerichtet wurden, in denen fast alle dänischen Künstler von Rang eine zeitlang als Stipendiaten gearbeitet haben. Die Skulpturen sind von Jens Galschiøt einem international sehr renommierten Künstler. Er hat zum Beispiel auch die "Säule der Schande" in Hongkong gestaltet. - Ein politisch sehr engagierter und kluger Künstler. Jette hat einen Artikel über ihn geschrieben und er hat sich bei ihr gemeldet und ihr angeboten diese Arbeit für sie kostenlos zu installieren. Allein die Transportkosten seien auf über 45.000,. Euro gekommen, die sie über Spenden zusammengebracht haben. Allein die das Gießen der Bronzen übersteigt den Betrag natürlich erheblich. Die Stadt hat übrigens gegen das Aufstellen der Figuren keine Einwände erhoben, vorausgesetzt, dass sie innerhalb von 30 Tagen vor Baubeginn demontiert sein kann. Finde ich erstaunlich, aber da ist man in Dänemark sehr entspannt (worauf ich noch zurückkomme).
Wie es aussieht, ist das Parkhausprojekt noch lange nicht vom Tisch. Die Aktion "Dante im Dialog mit dem 21. Jahrhundert" am Danteplatz wird wohl noch länger kämpfen müssen. Viel Glück Jette, und nicht aufgeben!
Dante steht übrigens zwischen der Glyptothek und em Platz etwas verloren auf dem Grünstreifen einer 4spurigen Straße auf einer Säule, die irgendwer, irgendwann in Ägypten geklaut hat, wie es im 19.Jahrhundert unter Besserverdienern üblich war.
Das war wirklich eine sehr anregende Unterhaltung mit Dir, Jette, danke! (Wie ich eben im Internet recherchiert habe ist Jette Ingerslev Chefin der Kopenhagener Klinik für Gerontologie und Rheumatologie gewesen und wohnt schon immer am Danteplatz)
Dann kam, wie schon berichtet, unser Besuch in der Großen Synagoge von Kopenhagen. Sehr spannend! Hier mein Teil:
Ich also links und Friederike rechts. Denn es ist eine orthodoxe Synagoge, wie der Junge Mann am Eingang meinte. Ich sehe den Korb mit den Gästekippas. Mit mir geht aber auch ein junger Mann mit Baseballcap und Umhang rein. Offensichtlich heißt die Regel "hauptsächlich Kopfbedeckung" - anders als in katholischen Kirchen, Also lasse ich meine Mütze auch auf. Das war offensichtlich ganz in Ordnung. Ich stelle mich in eine Bank - und werde von netten Herren in meinem Umfeld mit Handschlag begrüßt- cool! Man nimmt sich wahr. Auch der Rabbi vorne schaut immer wieder in alle Richtungen und nimmt Blickkontakt mit seiner Gemeinde auf. Kinder springen oben auf der Empore umher, und am Ende gibt es Süsses für die Kleinen.
Mich hat der Besuch sehr beeindruckt, vor allem die unkomplizierte Freundlichkeit mit der wir aufgenommen wurden.
Dann, wie Friederike schon erzählt hat, das SMK. Ein großartiges Museum, mit einer sehr beeindruckenden Sammlung und - wie allgemein in Dänemark, mit hervorragender Präsentation.Von der Gestaltung der Säle bis zu den Erklärungen und Kommentaren.
Da fällt es echt schwer ein oder zwei Lieblingsbilder auszuwählen.
Aber vielleicht eines, weil es so originell ist;
"Der Blick in die Küche" - 19.Jahrhundert! Großartig, oder?
Dann ging es rüber nach Christiania. Muss man besuchen! Ein bisschen komisch haben wir uns dabei schon gefühlt, denn schließlich leben da ja Menschen. Ich musste irgendwie an die "Völkerschauen" bei Hagenbeck 1904 denken. Klar, die Menschen damals hatten keine Ahnung wo sie landen würden, als man sie nach Hamburg brachte. Aber für die Gemeinde der Althippies sind die Touristenströme sicher die Haupteinnahmequelle - so ganz "freiwillig" lassen sie die Touristenströme dann doch nicht rein, vor allem, wenn sie versuchen in die Fenster zu schauen.
Da, wie Ihr bereits wisst, gerade Jazztage in Kopenhagen sind. Gab es natürlich auch ein Konzert in Christiania - claro Blues und Rock.
Von B.B.King bis "Sympathy for the Devil" alles dabei. B.B.King war richtig gut. Dem Teufel fehlt ein bisschen die Bissigkeit. Wahrscheinlich hatte er schon etwas zu viel gekifft. Aber wir, das Publikum, die alle die Stücke kannten, waren natürlich auch nicht mehr das fetzigsten und haben eher müde mit den ergrauten Köpfen genickt.
Was war das doch einstens für eine Ikone der Rebellion!
Auf dem Weg zu Friederikes Badeplatz noch eine "kleine Bigband" von sehr guten Freunden des gepflegten Sounds.
Doch da Friederike langsam unruhig wurde, haben wir uns nicht mehr allzu lange aufgehalten. Und 4 Konzerte in 2 Tagen, das liegt weit über unserem Konzertbesuchsschnitt.
Ich habe eingangs auf das entspannte Verhältnis der Kopenhagener Behörden mit kritischer Kunst im Öffentlichen Raum hingewiesen.
Gegenüber den vollklimatisierten Glaspalästen die große "Greenwashing-Waschmaschine"! Kopenhagen wird ja derzeit überall als die Hauptstadt der Architektur gelobt. Sicher, das eine oder andere Gebäude sieht toll aus. Aber zeitgemäß sind diese Glaspaläste absolut nicht und wie es den Anschein hat, haben sie es mit der "CO2 Bilanz" auch nicht so ernst genommen. Ob die
Vorzeigeobjekte des sozialen Wohnungsbaus alle Erwartungen erfüllen werden, die in sie gesetzt werden ist auch nicht sicher- noch sind sie nicht bezogen. Die ersten Bewohner werden Ende des Jahres auf die "Papierinsel" ziehen. Eine Kommission entscheidet über die Vergabe der preisgünstigen Wohnungen, die öffentlich gefördert wurden
"Individuelles Design, inspiriert von historischen Gebäuden
"Die
Insel Christiansholm, die von den Kopenhagener:innen auch als
"Papierinsel" bezeichnet wird, wird derzeit vollständig neu bebaut – ein
Geschenk an die Einwohner und Besucher der Stadt. Die von Cobe
entworfene Architektur bietet Wohnraum im beliebten Quartier und bietet
einen außergewöhnlichen Rahmen für einzigartige Erlebnisse in einer der
besten Lagen der Stadt – im Herzen des Kopenhagener Hafens.
Die
auffällige Trapezform der Neubauten ist von den Dächern der ehemaligen
Papierlagerhäuser und Industriegebäude der Umgebung inspiriert. Um diese
Formen zum Leben zu erwecken, haben das Architekturbüro Cobe und das
Ingenieurbüro MOE die die Grenzen dessen, was mit Betonfertigteilen
baubar ist, ausgeschöpft." (Homepage von Peikko, einer Zulieferfirma des Projekts)
So, jetzt ist es schon spät, und Morgen geht es wieder aufs Rad. Die letzte Woche beginnt!
Schaut Morgen wieder ein, wenn Ihr Lust habt!
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