10.Juli2023
die Karte
Frieda) heute war der zwei (eigentlich drei)-Bade-Tag.
Und er hat mit einem Morgenbad in der Ostsee in Rodvig begonnen:
Ist das nicht fantastisch! Außer mir war ein Mann mit Hund am Strand und auf einem Stein lag ein alter, dicker, ehemals roter Frotteebademantel. Da muss ja irgenwo noch eine Frühschwimmerin sein.....Ja klar, ich seh weit draußen einen Kopf...wir haben dann beim Rausgehen ein bisschen geredet. Sie geht jeden Tag hier schwimmen, heute ist das Wasser nicht so schön, wegen der Algenblüte und ich soll ich nachher gut abduschen. Das Wasser war ein bisschen trüb, stimmt, aber alles andere war perfekt,
Dann warm duschen, so wie Gunille das empfiehlt, danke!- frühstücken und ab aufs Rad.
Es ist nahezu windstill, wir kommen gut vorwärts und radeln ruhig, immer entlang der Ostsee.
Plötzlich Klaviermusik aus diesem kleinen Häuschen, da probt jemand:
und auf einem Schild am Eingang steht, dass hier eine Celloschule ist "become the best version of yourself" Scandinavian Cello School.
Aber allmählich zieht sich der Himmel zu, die Wolken werden dunkler, es grollt und donnert im Westen. und dann beginnt es zu regnen, wir stellen uns unter und dann geht es erst richtig los, ein heftiger Regenguss.
Eine Zeitlang suchen wir Schutz unter einer großen Eiche.... aber war da nicht was mit Eichen sollst du weichen?????.... das Gewitter zieht südlich von uns vorbei, der Regen erwischt uns voll. Und wir müssen unser gesamtes Regenzeugs rausholen. Aus verständlichen Gründen gibt es davon kein Foto.
Und erst kurz vor unserem Ziel kommt allmächlich die Sonne wieder raus.
Und wir können alles zum Trocknen aufhängen, denn wir haben heute ein drei Zimmer Apartement mit Balkon. Wir könnten glatt noch ein paar arme nasse Radler einladen...
Also das war das zweite Bad,- die Dusche von oben- und hier kommt das dritte:
Ein absolut perfekter Ostsee-Radtour-Tag!
Der Manne ist nur einmal nass geworden, kann aber anderes berichten:
(m): Bis der Regen kam, war es ein perfekter Morgen. Die Temperaturen angenehm, leichter Rückenwind, keine Berge und eine Ostseelandschaft wie aus dem Bilderbuch.
Doch selbst in der Idylle ist die Weltpolitik präsent.
Ein Foto gibt es doch von der Zwangspause. Schließlich habe ich eine Unterwasserkamera (ehrlich!)
Kurz vor Prӕstø, der Regen hat inzwischen aufgehört, fahren wir am Thorvaldsenmuseum in Nysø vorbei.
Museumsbesuch in voller Regenmontur! Und klitschnass? Aber "Thorvaldsen", der Bertel, der größte dänische Klassizist, mit Werken in ganz Europa. In Kopenhagen ein eigenes Museum, in Louisiana, einen eigenen Raum.
Und hier seine Sammligen!
Ein tolles Anwesen. Aber leider montags geschlossen. Genau genommen ist das Museum nur sonntags von 10-15:00 geöffnet. Umfangreiche Renovierungsarbeiten. Insgeheim sind wir beide erleichtert, dass uns die Entscheidung abgenommen wurde, uns hier vor dem Museum zu regenkleidungstechnisch zu "entblättern".
Und ganz ehrlich, gehört der Klassizismus, mit seinen fahlweißen Edelmenschen, nicht unbedingt zu meinen Lieblingsepochen.
Aber vom guten Bertel hätte ich schon gern mehr erfahren. Muss ein ziemlicher Bonvivat gewesen sein, der, wie man so schön sagt, nichts hat anbrennen lassen Auf seinen Italienreisen war er für seine Eskapaden und Liebschaften - auch mit verheirateten Damen. mindestens genauso bekannt wie für seine Kunst.
Er muss eine ganz erhebliche Sammlung von Bildern von "Italienreisenden" haben, die er durch Ankäufe von Bildern unterstützt hat. Wie gesagt, der Bertel hätte mich interessiert.
Wie so oft, wenn man nichts besonderes von seinem Tagesziel erwartet, Prӕstø mit seinen 3000 Einwohnern ist ein netter kleiner Hafen - außer Thorvaldsen kein Pflichtprogramm, - wird man mit ungewöhnlichen Begegnungen überrascht.
Zuerst unser Gastgeber vom "Sleep & Coffee".
Im Hinterhof ein Trabi im Topzustand. Und an der Wand.
Die Olsenbande, da gibt es kein Vertun. Was steckt dahinter? Hätte ich auch drauf kommen können. Unser Gastgeber ist mit einer Dresdnerin verheiratet! Die gerade mit den Kindern bei ihrer Familie zu Besuch ist.
Natürlich versuchen wir den Kaffee von "Sleep & Coffee" auch.
Am Nebentisch telefoniert jemand auf deutsch. Er wird sich demnächst mit jemand hier treffen.
Als er sein Telefonat beendet hat, fragt er mich - auf deutsch, wie sein deutsch sei. "Perfekt" sind sie nicht aus Deutschland?"
Wie sich herausstellt ist Frans Tremel Grönländer. Er hat hier um die Ecke, ein "Refugium" wie er sagt. Verständlich 4.000 km südlicher ist auch schon ganz schön in Süden.
Frans ist ein sehr gebildeter Herr, - genau so alt wie ich. Er war lange Zeit in der grönländischen Regierung tätig. So etwas wie 2.Staatssekretär - oder stellvertretender Ministerpräsident (den es natürlich noch nicht gibt). Jedenfalls kennt er Gott und die Welt persönlich - und liebt es zu diskutieren. Da kann ich mithalten. Im Nu sind wir dabei, die großen Probleme unserer Zeit zu ventilieren. Das hat wirklich Spaß gemacht. Ich frage ihn unter anderem, wie Donald Trumps Vorschlag Grönland zu kaufen bei ihnen angekommen sei. Da lacht er nur, "Was heißt Trump! Die letzten 5 Präsidenten haben das versucht, einschließlich Obama. Trump ist höchstens etwas plump und unverschämt aufgetreten."
Er ist ein großer Verfechter der Grönländischen Unabhängigkeit, die "beschlossen ist". "Wir wollen endlich in einem Land leben, das eine Verfassung hat. Dänemark ist keine Demokratie, sie hat keine Verfassung..."
Für Frans sind die USA die Bösen Buben der letzten 200 Jahre, und er hat viel Verständnis für die Brics.
Es ist wirklich spannend mit ihm zu diskutieren. Für Grönland, das nach Unabhängigkeit strebt, ist nationales Denken - vielleicht auch Nationalismus, das Thema der Stunde. Auf meine Frage, ob angesichts der vielen Probleme, die die Welt derzeit hat, Nationalismen nicht kontraproduktiv seien, ob wir nicht nach gemeinsamen Lösungen suchen müssten, kam er so richtig in Fahrt.
Die Klimadiskussion, nirgendwo in den Gutachten werden die Sonnenzyklen erwähnt! Wer sagt denn, dass es nicht die Sonne ist, die die gegenwärtigen Veränderungen hervorruft. Und überhaupt, die berühmten Bilder von den schmelzenden Gletschern auf Grönland. D E R Fotograf, der mit dem Hubschrauber über die Gletscher geflogen ist und den Grönländer mit dem Schlitten durchs Wasser fahrend aufgenommen hat, hat doch keine Ahnung. Er selbst sei schon als Kind in den Sommermonaten über mit Wasser bedecktes Eis gefahren, alles Stimmungsmache. - Der Film von dem er spricht ist dieses Frühjahr in Deutschland angelaufen Ich habe vor kurzem einen Bericht über seine Entstehung im Fernsehen gesehen. So weit ich das beurteilen kann, ist der Bericht alles andere als tendenziös.
Wenn man allerdings, wie Frans, glaubt, dass die gegenwärtigen Phänomene im "Rahmen der normalen großen Schwankungen" seien, dann bezweifelt man die Verantwortung der Menschen für diese Phänomene. Schließlich heißt Grönland ja übersetzt "Grünland". (Den Topf mache ich jetzt nicht auf. Auch eine spannende Geschichte)
Er bezeichnet sich immer wieder als "Realpolitiker", man dürfe keine ideologischen Scheuklappen habe. Seinen Antiamerikanismus, mit dem er ja in vielem Recht hat, deckt sich 1:1 mit der Argumentation unserer "Linken", erkennt er nicht als Ideologie. Und die Verleugnung des Menschen gemachten Klimawandels, deckt sich mit den Positionen unserer AFD.
Wir hatten eine sehr lebhafte Diskussion, und unser Cafehausgastgeber kam immer mal wieder mit der Kaffeekanne vorbei und hat nachgeschenkt.
Bei allen Meinungsunterschieden, danke Dir Frans, das war ein äußerst anregendes Gespräch am frühen Nachmittag in Prӕstø. Der Ausweis, den er um den Hals trägt, weist Frans als Mitglied der grönländischen Regierung aus, auch wenn er nicht mehr ganz so aktiv in der Politik ist, wie er sagt.
Mein Versuch, ihn zu "googeln" war nicht ganz so erfolgreich. Es gibt zwar einen Frans Tremel in der grönländischen Politik, doch der ist so etwas wie ein Staatssekretär im Erziehungsministerium gewesen, Schwerpunkt Grundschule. Aber wer weiß, vielleicht habe ich auch nicht lange genug recherchiert.
Auf jeden Fall ist Frans ein sehr belesener, sehr eloquenter und im Politikersprech sehr geübter Mensch. Hat Spaß gemacht.
Und dieser Blog ist, dem Thema entsprechend, in einer standesgemäßen Umgebung entstanden.
Oder etwa nicht! Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen.
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