Dienstag, 11. Juli 2023

27.Tag: Von Prӕstø nach Maribo

11.Juli 2023

die Karte

Heute war ein Drei-Inseln-Tag. Zealand, Falster, Lolland.


Heute war ein Brückentag und ein übers Wasserfahren Tag. Aber auch ein Immergeradeausmitgegenwindundbergaufundbergab Tag. Und ein ziemlich heißer Tag. 
Aber insgesamt ein sehr schöner Tag, der vorletzte in Dänemark. 
Aber von Anfang an.
Friederike wird Euch nachher von ihrem frühen Glück erzähen. Während sie zum Badestrand von Prӕstø geht, suche ich eine Bäckerei um für das Frühstück und für den Tagesproviant einzukaufen. In einem Supermarkt werde ich fündig. Es ist 7.45 der Supermarktbereich bereitet sich vor, ist aber noch nicht richtig beleuchtet. Da sind die Dänen echt gelassen. "Komm ruhig rein!"
Nicht ganz einfach für e i n Frühstück einzukaufen. Die Portionierungen sind natürlich fast alle zu groß. Vor allem die Butter. Dann finde ich ein kleines Stück. - Wie es sich später, am Frühstückstisch, unter zur Hilfenahme der Brille herausstellt, ist es Knoblauchbutter. Nicht so ganz unser Standardfrühstück.
9:30 sind wir auf der Straße. Es ist noch angenehm frisch, leichter Rückenwind. Das südliche Zealand ist eher hügelig,
 

  z.T. fahren wir durch Buchenwälder, das hatten wir jetzt die ganze Zeit nicht. 
In Vordingsborg bereitet sich der Bär aufs Steppen vor. Hier ist " Party-Woche", wie mir ein Roady erzählt.

Konzerte ohne Ende. Aber natürlich noch nicht um kurz vor 11. D.h. ein Kinderkonzert mit einem netten Mittmachclown war schon zugange.
Von Montag bis Sonntagabend gibt es Konzerte satt. Alles hauptsächlich Dänische Bands.


Sieht super aus! Aber leider, Hamburg ruft!

Vor allem


Blood og Diamanter hätte mich interessiert. Keine Ahnung was das für eine Band ist, aber hört sich vielversprechend an.
In Vordingsborg geht es rüber nach Falster.
4,6 km  über die Brücke. Zum Glück ist heute der Wind mäßig. Ich kann mir vorstellen, dass es auf dem schmalen Radweg ganz schön kompliziert werden kann. Wenn Radfahrer entgegen kommen wird es ganz schön eng. Aber da sind die Dänen großartig. Alles läuft sehr rücksichtsvoll ab.


Links vom Radweg ist die Straße und links von der Straße fährt die Eisenbahn über den Stortstrømmen. Das rumpelt ganz schön, wenn ein Eilzug drüber brettert.


Die Strecke auf Falster ist eher etwas zum Meditieren. Am besten man schaltet hirnmäßig auf Standby. Endlos gerade aus, lange, sehr lange Rampen, gut zu fahren aber bei Gegenwind nicht unanstrengend. Dann wieder lange Abfahrten - seltsamerweise nie so lang wie die Aufstiege (gefühlt).
Zur Mittagspause sind wir an der Brücke rüber nach Lolland, ein Brückchen, der Guldborg Sund ist an dieser Stelle sehr schmal.


So Friederike, jetzt bist Du dran! Friederike!! Ist gerade wieder mal auf der Suche nach einem Badeplatz!

frieda) Ja, bin ein bisschen geschwommen, aber der Sǿndersǿ ist nicht grad ein Badesee. Unser Hotel liegt traumhaft direkt am See, aber hier ist Schilf und Schlick und Entensch.... Man kann Bötchen fahren, angeln, und ca 1 km weiter ist ein Badestelle- sagt die Dame an der Rezeption. Also wandere ich los, ein schönes Weglein entlang des Schilfgürtels, Kanuvereine und Kleingartenanlagen,

irgendwann hört man dann  das typische Kinder-und Jugendlichengejauchze von Badestellen, laute Musik. Es ist ein Steg, ganz okay, Wasserqualität "grünes Licht", man kann sich ein bisschen abkühlen....und dann wieder zurückwandern.



Dagegen heute morgen um halb acht: großes Badeglück! 
An der Badestelle in Prӕstø trifft man sich morgens. Freundinnen sitzen mit Kaffebecher auf dem Steg, eine Gruppe älterer Damen (so etwa mein Alter, haha) quasseln, lassen sich ins Wasser gleiten, quasseln weiter. Eine hat den Enkel dabei, der tolle Sprünge ins Wasser macht und alle Omas bewundern ihn. Ein paar Männer bereiten sich auf eine Rudertour vor. 
Auch ich werde begrüßt und wir unterhalten uns etwas, die Frauen schwimmen jeden Tag, auch im Winter und an dem Bootshäuschen ist eine kleine Sauna, wo man sich aufwärmen kann.
Beim Glücklichsein-Report müssten die Dänen, also auf jeden Fall die Däninnen - doch auf dem ersten Platz liegen, oder? 

Heute Abend wollten wir eigentlich im Hotel essen, genug gelaufen und gefahren heute, aber bis wir in den Speisesaal kamen, war das Vorspeisenbuffet schon ziemlich abgegrast, der Hauptgang wäre demnächst dran. Gerne können wir uns noch setzt, meint ein gestresster junger Kellner. Auf Buffet hatten wir aber gar keine Lust und so sind wir, wie häufig auf dieser Reise mal wieder beim Syer-Italiener gelandet. War okay, es gab sogar Salat!  Und das ist in Dänemark überhaupt nicht selbstverständlich. 
Abendstimmung am See. 
Mit einem Aperol Spritz und ein/ zwei Fadøl lässt sich dieser Tag prima verabschieden.

Montag, 10. Juli 2023

26.Tag:Von Rødvig nach Prӕstø

10.Juli2023

die Karte

Frieda) heute war der zwei (eigentlich drei)-Bade-Tag.

Und er hat mit einem Morgenbad in der Ostsee in Rodvig begonnen:


Ist das nicht fantastisch! Außer mir war ein Mann mit Hund am Strand und auf einem Stein lag ein alter, dicker, ehemals roter Frotteebademantel. Da muss ja irgenwo noch eine Frühschwimmerin sein.....Ja klar, ich seh weit draußen einen Kopf...wir haben dann beim Rausgehen ein bisschen geredet. Sie geht jeden Tag hier schwimmen, heute ist das Wasser nicht so schön, wegen der Algenblüte und ich soll ich nachher gut abduschen. Das Wasser war ein bisschen trüb, stimmt, aber alles andere war perfekt, 

Dann warm duschen, so wie Gunille das empfiehlt, danke!- frühstücken und ab aufs Rad.

Es ist nahezu windstill, wir kommen gut vorwärts und radeln ruhig, immer entlang der Ostsee.


Plötzlich Klaviermusik aus diesem kleinen Häuschen, da probt jemand:



und auf einem Schild am Eingang steht, dass hier eine Celloschule ist "become the best version of yourself" Scandinavian Cello School.


Aber allmählich zieht sich der Himmel zu, die Wolken werden dunkler, es grollt und donnert im Westen. und dann beginnt es zu regnen, wir stellen uns unter und dann geht es erst richtig los, ein heftiger Regenguss.


Eine Zeitlang suchen wir Schutz unter einer großen Eiche.... aber war da nicht was mit Eichen sollst du weichen?????.... das Gewitter zieht südlich von uns vorbei, der Regen erwischt uns voll. Und wir müssen unser gesamtes Regenzeugs rausholen. Aus verständlichen Gründen gibt es davon kein Foto.

Und erst kurz vor unserem Ziel kommt allmächlich die Sonne wieder raus.
Und wir können alles zum Trocknen aufhängen, denn wir haben heute ein drei Zimmer Apartement mit Balkon. Wir könnten glatt noch ein paar arme nasse Radler einladen...


Also das war das zweite Bad,- die Dusche von oben- und hier kommt das dritte:



Ein absolut perfekter Ostsee-Radtour-Tag!
Der Manne ist nur einmal nass geworden, kann aber anderes berichten:

(m): Bis der Regen kam, war es ein perfekter Morgen. Die Temperaturen angenehm, leichter Rückenwind, keine Berge und eine Ostseelandschaft wie aus dem Bilderbuch. 


Doch selbst in der Idylle ist die Weltpolitik präsent.


Ein Foto gibt es doch von der Zwangspause. Schließlich habe ich eine Unterwasserkamera (ehrlich!)
Kurz vor Prӕstø, der Regen hat inzwischen aufgehört, fahren wir am Thorvaldsenmuseum in Nysø vorbei. 
Museumsbesuch in voller Regenmontur! Und klitschnass? Aber "Thorvaldsen", der Bertel, der größte dänische Klassizist, mit Werken in ganz Europa. In Kopenhagen ein eigenes Museum, in Louisiana, einen eigenen Raum.
Und hier seine Sammligen!


Ein tolles Anwesen. Aber leider montags geschlossen. Genau genommen ist das Museum nur sonntags von 10-15:00 geöffnet. Umfangreiche Renovierungsarbeiten.
Insgeheim sind wir beide erleichtert, dass uns die Entscheidung abgenommen wurde, uns hier vor dem Museum zu regenkleidungstechnisch zu "entblättern".
Und ganz ehrlich, gehört der Klassizismus, mit seinen  fahlweißen Edelmenschen, nicht unbedingt zu meinen Lieblingsepochen. 
Aber vom guten Bertel hätte ich schon gern mehr erfahren. Muss ein ziemlicher Bonvivat gewesen sein, der, wie man so schön sagt, nichts hat anbrennen lassen Auf seinen Italienreisen war er für seine Eskapaden und Liebschaften - auch mit verheirateten Damen. mindestens genauso bekannt wie für seine Kunst. 
Er muss eine ganz erhebliche Sammlung von Bildern von "Italienreisenden" haben, die er durch Ankäufe von Bildern unterstützt hat. Wie gesagt, der Bertel hätte mich interessiert.

Wie so oft, wenn man nichts besonderes von seinem Tagesziel erwartet, Prӕstø mit seinen 3000 Einwohnern ist ein netter kleiner Hafen - außer Thorvaldsen kein Pflichtprogramm, -  wird man mit ungewöhnlichen Begegnungen überrascht.
Zuerst unser Gastgeber vom "Sleep & Coffee". 


Im Hinterhof ein Trabi im Topzustand. Und an der Wand.



Die Olsenbande, da gibt es kein Vertun. Was steckt dahinter? Hätte ich auch drauf kommen können. Unser Gastgeber ist mit einer Dresdnerin verheiratet! Die  gerade mit den Kindern bei ihrer Familie zu Besuch ist.
Natürlich versuchen wir den Kaffee von  "Sleep & Coffee" auch. 

Am Nebentisch telefoniert jemand auf  deutsch. Er wird sich demnächst mit jemand hier treffen. 
Als er sein Telefonat beendet hat, fragt er mich - auf deutsch, wie sein deutsch sei. "Perfekt" sind sie nicht aus Deutschland?"
Wie sich herausstellt ist Frans Tremel Grönländer. Er hat hier um die Ecke, ein "Refugium" wie er sagt. Verständlich 4.000 km südlicher ist auch schon ganz schön in Süden.

Frans ist ein sehr gebildeter Herr, -  genau so alt wie ich. Er war lange Zeit in der grönländischen Regierung tätig. So etwas wie 2.Staatssekretär - oder stellvertretender Ministerpräsident (den es natürlich noch nicht gibt). Jedenfalls kennt er Gott und die Welt persönlich - und liebt es zu diskutieren. Da kann ich mithalten. Im Nu sind wir dabei, die großen Probleme unserer Zeit zu ventilieren. Das hat wirklich Spaß gemacht. Ich frage ihn unter anderem, wie Donald Trumps Vorschlag Grönland zu kaufen bei ihnen angekommen sei. Da lacht er nur, "Was heißt Trump! Die letzten 5 Präsidenten haben das versucht, einschließlich Obama. Trump ist höchstens etwas plump und unverschämt aufgetreten."
Er ist ein großer Verfechter der Grönländischen Unabhängigkeit, die "beschlossen ist". "Wir wollen endlich in einem Land leben, das eine Verfassung hat. Dänemark ist keine Demokratie, sie hat keine Verfassung..."
Für Frans sind die USA die Bösen Buben der letzten 200 Jahre, und er hat viel Verständnis für die Brics. 
Es ist wirklich spannend mit ihm zu diskutieren. Für Grönland, das nach Unabhängigkeit strebt, ist nationales Denken - vielleicht auch Nationalismus, das Thema der Stunde. Auf meine Frage, ob angesichts der vielen Probleme, die die Welt derzeit hat, Nationalismen nicht kontraproduktiv seien, ob wir nicht nach gemeinsamen Lösungen suchen müssten, kam er so richtig in Fahrt. 
Die Klimadiskussion, nirgendwo in den Gutachten werden die Sonnenzyklen erwähnt! Wer sagt denn, dass es nicht die Sonne ist, die die gegenwärtigen Veränderungen hervorruft. Und überhaupt, die berühmten Bilder von den schmelzenden Gletschern auf Grönland. D E R Fotograf, der mit dem Hubschrauber über die Gletscher geflogen ist und den Grönländer mit dem Schlitten durchs Wasser fahrend aufgenommen hat, hat doch keine Ahnung. Er selbst sei schon als Kind in den Sommermonaten über mit Wasser bedecktes Eis gefahren, alles Stimmungsmache. - Der Film von dem er spricht ist dieses Frühjahr in Deutschland angelaufen Ich habe vor kurzem einen Bericht über seine Entstehung im Fernsehen gesehen. So weit ich das beurteilen kann, ist der Bericht alles andere als tendenziös.
Wenn man allerdings, wie Frans, glaubt, dass die gegenwärtigen Phänomene im "Rahmen der normalen großen Schwankungen" seien, dann bezweifelt man die Verantwortung der Menschen für diese Phänomene.  Schließlich heißt Grönland ja übersetzt "Grünland". (Den Topf mache ich jetzt nicht auf. Auch eine spannende Geschichte)
 Er bezeichnet sich immer wieder als "Realpolitiker", man dürfe keine ideologischen Scheuklappen habe. Seinen Antiamerikanismus, mit dem er ja in vielem Recht hat, deckt sich 1:1 mit der Argumentation unserer "Linken", erkennt er nicht als Ideologie. Und  die Verleugnung des Menschen gemachten Klimawandels, deckt sich mit den Positionen unserer AFD.
Wir hatten eine sehr lebhafte Diskussion, und unser Cafehausgastgeber kam immer mal wieder mit der Kaffeekanne vorbei und hat nachgeschenkt.


Bei allen Meinungsunterschieden, danke Dir Frans, das war ein äußerst anregendes Gespräch am frühen Nachmittag in Prӕstø. Der Ausweis, den er um den Hals trägt, weist Frans als Mitglied der grönländischen Regierung aus, auch wenn er nicht mehr ganz so aktiv in der Politik ist, wie er sagt. 
Mein Versuch, ihn zu "googeln"  war nicht ganz so erfolgreich. Es gibt zwar einen Frans Tremel in der grönländischen Politik, doch der ist so etwas wie ein Staatssekretär im Erziehungsministerium gewesen, Schwerpunkt Grundschule. Aber wer weiß, vielleicht habe ich auch nicht lange genug recherchiert. 
Auf jeden Fall ist Frans ein sehr belesener, sehr eloquenter und im Politikersprech sehr geübter Mensch. Hat Spaß gemacht.
Und dieser Blog ist, dem Thema entsprechend, in einer standesgemäßen Umgebung entstanden.


Oder etwa nicht! Gehabt´s Euch wohl! Bis Morgen.









Sonntag, 9. Juli 2023

25.Tag: Von København nach Rødvig

09.Juli 2023


die Karte

Endlich wieder ein ganzer Radtag! Einer, den man auf der Karte sieht. 75 km sind es geworden. Perfekte Bedingungen. Sonntags fährt es sich einfach am Schönsten aus großen Städten heraus. Sonntag in Dänemark ist noch verschlafener als anderswo. Ein Sommersonntag. Es könnte heiß werden, aber der Wind vom Meer kühlt und kommt seitlich, mit ein bißchen Rückenhilfe. 


Die erste Meerbegegnung nach der Stadt, den Industrievororten etc. ist mäßig interessant. Viel Algen stinken vor sich hin. Da ist selbst Friederike nicht bereit reinzugehen. 

Ein Küstenradweg, das hat Friederike inzwischen auch einsehen müssen, verläuft nicht immer in Strandnähe, - meist nicht einmal in Sichtweite des Meeres. Was bei ihr, noch in der 4.Woche spätestens nach 20 km zu üblem Gemaule führt. "Öde Strecke! Wo bleibt das Meer! Das hatte ich so nicht gebucht!"

Aber zum Glück kommt dann irgendwann doch ein passabler Strand, an dem Friederike zu Wasser gelassen werden kann.


Køge liegt etwa auf halber Strecke. Ein schöner, nicht mal so kleiner Ort, mit einer sehenswerten Kirche.


Ein schöner Platz für die Mittagspasue. Wir sind gerade fertig, da öffnet ein sehr freundlicher älterer Herr die Kirche und stellt ein Schild vor die Tür. Wir können die Kirche besichtigen. UND! Das habe ich auf all meinen Reisen noch nie erlebt, wir bekommen einen Kaffee angeboten! St. Nikolaus, zumindest der Turm, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Der Altar und die Kanzel 1.Hälfte des 17.Jahrhunderts.


und eine sehr schöne Orgelempore. Entlang der Balustrade eine einmalige Bilderfolge. Alle, aber auch wirklich alle stimmten in das große Gotteslob ein. Ganz links angefangen mit Orpheus, dann König David. Dann alle Musen


Warun Clio, die Muse der Geschichte Posaune spielt erklärt sich mir nicht, aber bei den anderen Musen eigentlich auch nicht.
Auf der rechten Seite kommen dann die artes liberales: Rhetorik, Grammatik, Logik, Arithmetik, Musik und Astronomie.


Und zum Schluss die 4 Sinne. Gesicht, Gehör, Tastsinn und Geschmack.
Wirklich sehr ungewöhnlich, oder?
Die Kirchenbänke haben z.T. noch die Namen der Familien eingeschnitzt, die für ihren Platz bezahlt haben.


Das Stadtmuseum von Køge haben wir uns geschenkt. Es geht wieder los mit der verquasen Wikingerherrlichkeit.


Wikinger wie aus der Netflix Serie "The Vikings".

So jetzt mache ich Schluss, damit Friederike auch noch etwas zu erzählen hat.

f) Auf meinem Tacho sind jetzt exakt 80 km zusammengekommen, denn wir wohnen heute etwas außerhalb und mussten zum Essen nochmal reinfahren. Aber wir wohnen traumhaft schön, nach dem engen Juhezimmer im Mega-Hostel mit 1200 Zimmer-CHEN! jetzt das Gegenprogramm:Ferieby- Feriendorf- Rødvig
Wir werden begrüßt von dem/der/das hier: 


und hier hat es kleine Häuschen

Spielplätze und Grillstellen, ein Tipi zum Feiern


und dazwischen ein nettes Gästehaus mit Einzelzimmern.
Auch Rødvig ist sehr nett, beschaulich, viele Segelboote und einen gemütlichen Hafen:


und hier hat Vattenfall das erste Länderübergreifende Off Shore Projekt gebaut:
Dänemark und Deutschland werden von hier mit Strom beliefert. Laut Plakat müsste das eigentlich schon am Netz sein: Es heißt Kriegers Flak




Der Tag war anstrengend, aber schön. Schönen Abend noch, und gute Nacht! 

Samstag, 8. Juli 2023

24. Tag: Noch immer in København

 

Immer noch keine Karte. Aber um die 20 km gefahren.

Frieda) und auf meinem Tacho ist jetzt der 1000-er überschritten!

Am letzten Tag in einer Stadt hat man manchmal das Gefühl, dass man doch schon das wichtigste gesehen hat, dann wird man ein bisschen unruhig... oder man läßt sich treiben. Und das haben wir gemacht.

Mein Highlight heute war das Havnebad! 


Im Islands Brygge Havnebad sind mehrere Becken, mit Sprungturm, mit Kinderbereich, mit Holzplanken auf denen man sich sonnen kann. Und das alles schwimmt im Hafenbecken schwimmen,  die Becken ständig durchspült vom Meerwasser. Es gibt sogar ein 50 Meterbecken, in dem man ganz in Ruhe seine Bahnen schwimmen kann. Mit Algen und leichter Meeresströmung.


Natürlich habe ich das ausgiebig genutzt, allerding hatte das Wasser nur 19 Grad und irgendwann muss man dann einfach raus.

Viel genutzt wird es von Familien mit kleinen Kindern- es kostet keinen Eintritt- und es ist ein herrliches Gewusel hier.


Der Tag hat aber natürlich nicht mit dem Bad angefangen. Aber heute gehts ein bisschen durcheinander. 
Als wir morgens mit den Rädern losgefahren sind- das ist übrigens ein herrliches Fahren ohne das Gepäck!- sind wir an der Synagoge vorbeigekommen und während ich mich am Absperrzaun noch einlogge, um vielleicht eine Führung zu buchen, macht der Manne eine totale Hektik, "der läßt uns noch rein....", schnell Fahrräder anschließen, durch die Sicherheitsschleuse, dann soll ich links, der Manne rechts durch eine Tür und dann bin ich allein in einem leeren Treppenhaus.  Beim Hochsteigen wird mir klar,  dass heute Shabbat ist, dass wir an einem Gottesdienst teilnehmen und ich oben bei den Frauen auf dem Balkon gelandet bin. Nichts mit Führung.
Aber es war interessant,  eine Frau hat mir gleich gezeigt, wo im Buch wir sind- linke Seite war dänisch, rechts hebräisch und ich habe die Ruhe genossen, ein bisschen mitgesummt, wenn eine Melodie mehrfach kam und mich ganz automatisch ein bisschen im Rythmus gewiegt.
War sehr entspannt.

Danach Kunst im SMK, das nationale Kunstmuseum, besonders die Sonderausstellung Barock hat mir sehr gut gefallen.


Sehr gute Texte und Erklärungen und im Hintergrund sehr dezent und sehr schön Barockmusik, hauptsächlich Dietrich Buxtehude.
Wir haben uns auch noch die nordische Kunst, die Franzosen und Europäer angeschaut. 
Dieses Bild, von Jens Ferdinand Wilumsen, "die Bergsteigerin" hat mich sehr angesprochen. So elegant möchte ich auchmal in den Bergen unterwegs sein. 
Gell Andi!!! Vielleicht sollten wir uns auch mal ein bisschen mehr stylen!



Manne hat sicher noch andere Lieblingbilder.
Und vor allem will er euch noch von einer sehr interessanten Begegnung heute morgen erzählen, nämlich mit Dante und mit Jette Ingerslev;


(m) Ok, das war Friederikes Tag. 
Angefangen hat er eigentlich damit, dass wir heute Morgen, nachdem wir schon mindestens 3-4 mal in der Nähe der Glyptothek an einem kleinen Platz vorbeigefahren sind,angehalten haben. Eine Figurengruppe sah aus der Ferne aus wie die Bürger von Calais.  Was für eine Überraschung. Von wegen Bürger von Calais!!! Die Figurengruppe ist die reinste Provokation.


Vier Schweine in langen Gewändern.


Und  oben ein riesiger Stinkefinger. Alles in feinster Bronze. Wir sind ein bisschen ratlos. Ein Schild klärt auf. Das ist "Stop -Q-Park´s parking basement now!" OK, eine Protestaktion. Während wir noch versuchen uns ein Bild des Ganzen zu machen, kommt Jette Ingverslev, eine sehr beredete alte Dame auf uns zu und schenkt uns eine Postkarte. Sie ist Anwohnerin dieses schönen Platzes und kämpft seit Jahren in eine Bürgerbewegung dagegen, dass unter diesem Platz eine Tiefgarage mit drei unterirdischen Stockwerken gebaut wird. Zum einen, weil es, wie sie meint keinen Bedarf für ein solches Monsterparkhaus gibt, auch wenn Tivoli und andere Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind. Zum anderen, weil verschiedene Bohrungen in der Umgebung ergeben haben, dass der Untergrund höchst problematisch ist. Der Versuch des Museums gegenüber einen Keller auszuheben ist kläglich gescheitert, - er ist mit Wasser vollgelaufen. Ausserdem haben Gutachten ergeben, dass die historische Bausubstanz um den Platz gefährdet  sein könnte. Die Glyptothek und den Platz hat Carl Jacobsen gestiftet, der Besitzer von Carlsberg. Jette erklärt uns auch, dass die obersten Stockwerke rund um den Platz als Ateliers eingerichtet wurden, in denen fast alle dänischen Künstler von Rang eine zeitlang als Stipendiaten gearbeitet haben. 
Die Skulpturen sind von Jens Galschiøt einem international sehr renommierten Künstler. Er hat zum Beispiel auch die "Säule der Schande" in Hongkong gestaltet. - Ein politisch sehr engagierter und kluger Künstler. Jette hat einen Artikel über ihn geschrieben und er hat sich bei ihr gemeldet und ihr angeboten diese Arbeit für sie kostenlos zu installieren. Allein die Transportkosten seien auf über 45.000,. Euro gekommen, die sie über Spenden zusammengebracht haben. Allein die das Gießen der Bronzen übersteigt den Betrag natürlich erheblich. Die Stadt hat übrigens gegen das Aufstellen der Figuren keine Einwände erhoben, vorausgesetzt, dass sie innerhalb von 30 Tagen vor Baubeginn demontiert sein kann. Finde ich erstaunlich, aber da ist man in Dänemark sehr entspannt (worauf ich noch zurückkomme). 
Wie es aussieht, ist das Parkhausprojekt noch lange nicht vom Tisch. Die Aktion "Dante im Dialog mit dem 21. Jahrhundert" am Danteplatz wird wohl noch länger kämpfen müssen. Viel Glück Jette, und nicht aufgeben!
Dante steht übrigens zwischen der Glyptothek und em Platz etwas verloren auf dem Grünstreifen einer 4spurigen Straße auf einer Säule, die irgendwer, irgendwann in Ägypten geklaut hat, wie es im 19.Jahrhundert unter Besserverdienern üblich war.



Das war wirklich eine sehr anregende Unterhaltung mit Dir, Jette, danke! (Wie ich eben im Internet recherchiert habe ist Jette Ingerslev Chefin der Kopenhagener Klinik für Gerontologie und Rheumatologie gewesen und wohnt schon immer am Danteplatz)

Dann kam, wie schon berichtet, unser Besuch in der Großen Synagoge von Kopenhagen. Sehr spannend! Hier mein Teil:

Ich also links und Friederike rechts. Denn es ist eine orthodoxe Synagoge, wie der Junge Mann am Eingang meinte. Ich sehe den Korb mit den Gästekippas. Mit mir geht aber auch ein junger Mann mit Baseballcap und Umhang rein. Offensichtlich heißt die Regel "hauptsächlich Kopfbedeckung" - anders als in katholischen Kirchen, Also lasse ich meine Mütze auch auf. Das war offensichtlich ganz in Ordnung. Ich stelle mich in eine Bank - und werde von netten Herren in meinem Umfeld mit Handschlag begrüßt- cool! Man nimmt sich wahr. Auch der Rabbi vorne schaut immer wieder in alle Richtungen und nimmt Blickkontakt mit seiner Gemeinde auf. Kinder springen oben auf der Empore umher, und am Ende gibt es Süsses für die Kleinen.

Mich hat der Besuch sehr beeindruckt, vor allem die unkomplizierte Freundlichkeit mit der wir aufgenommen wurden.
Dann, wie Friederike schon erzählt hat, das SMK. Ein großartiges Museum, mit einer sehr beeindruckenden Sammlung und - wie allgemein in Dänemark, mit hervorragender Präsentation.Von der Gestaltung der Säle bis zu den Erklärungen und Kommentaren. 
Da fällt es echt schwer ein oder zwei Lieblingsbilder auszuwählen. 
Aber vielleicht eines, weil es so originell ist;


"Der Blick in die Küche" - 19.Jahrhundert! Großartig, oder?

Dann ging es rüber nach Christiania. Muss man besuchen! Ein bisschen komisch haben wir uns dabei schon gefühlt, denn schließlich leben da ja Menschen. Ich musste irgendwie an die "Völkerschauen" bei Hagenbeck 1904 denken. Klar, die Menschen damals hatten keine Ahnung wo sie landen würden, als man sie nach Hamburg brachte. Aber für die Gemeinde der Althippies sind die Touristenströme sicher die Haupteinnahmequelle - so ganz "freiwillig" lassen sie die Touristenströme dann doch nicht rein, vor allem, wenn sie versuchen in die Fenster zu schauen.

Da, wie Ihr bereits wisst, gerade Jazztage in Kopenhagen sind. Gab es natürlich auch ein Konzert in Christiania - claro Blues und Rock.


Von B.B.King bis "Sympathy for the  Devil" alles dabei. B.B.King war richtig gut. Dem Teufel fehlt ein bisschen die Bissigkeit. Wahrscheinlich hatte er schon etwas zu viel gekifft. Aber wir, das Publikum, die alle die Stücke kannten, waren natürlich auch nicht mehr das fetzigsten und haben eher müde mit den ergrauten  Köpfen genickt.
Was war das doch einstens für eine Ikone der Rebellion! 
Auf dem Weg zu Friederikes Badeplatz noch eine "kleine Bigband" von sehr guten Freunden des gepflegten Sounds. 


Doch da Friederike langsam unruhig wurde, haben wir uns nicht mehr allzu lange aufgehalten. Und 4 Konzerte in 2 Tagen, das liegt weit über unserem Konzertbesuchsschnitt.

Ich habe eingangs auf das entspannte Verhältnis der Kopenhagener Behörden mit kritischer Kunst im Öffentlichen Raum hingewiesen.


Gegenüber den vollklimatisierten Glaspalästen die große "Greenwashing-Waschmaschine"!  Kopenhagen wird ja derzeit überall als die Hauptstadt der Architektur gelobt. Sicher, das eine oder andere Gebäude sieht toll aus. Aber zeitgemäß sind diese Glaspaläste absolut nicht und wie es den Anschein hat, haben sie es mit der "CO2 Bilanz" auch nicht so ernst genommen. Ob die 


Vorzeigeobjekte des sozialen Wohnungsbaus alle Erwartungen erfüllen werden, die in sie gesetzt werden ist auch nicht sicher- noch sind sie nicht bezogen. Die ersten Bewohner werden Ende des Jahres auf die "Papierinsel" ziehen. Eine Kommission entscheidet über die Vergabe der preisgünstigen Wohnungen, die öffentlich gefördert wurden

"Individuelles Design, inspiriert von historischen Gebäuden

"Die Insel Christiansholm, die von den Kopenhagener:innen auch als "Papierinsel" bezeichnet wird, wird derzeit vollständig neu bebaut – ein Geschenk an die Einwohner und Besucher der Stadt. Die von Cobe entworfene Architektur bietet Wohnraum im beliebten Quartier und bietet einen außergewöhnlichen Rahmen für einzigartige Erlebnisse in einer der besten Lagen der Stadt – im Herzen des Kopenhagener Hafens.

Die auffällige Trapezform der Neubauten ist von den Dächern der ehemaligen Papierlagerhäuser und Industriegebäude der Umgebung inspiriert. Um diese Formen zum Leben zu erwecken, haben das Architekturbüro Cobe und das Ingenieurbüro MOE die die Grenzen dessen, was mit Betonfertigteilen baubar ist, ausgeschöpft." (Homepage von Peikko, einer Zulieferfirma des Projekts)

So, jetzt ist es schon spät, und Morgen geht es wieder aufs Rad. Die letzte Woche beginnt!
Schaut Morgen wieder ein, wenn Ihr Lust habt!








Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...