Montag, 26. Juni 2023

12. Tag: Ruhetag in Aarhus

 26.06.2023

frieda) Ein wunderbarer Stadt- und Kunsttag, einmal heftiger Regen  beobachtet durch die Fensterscheiben im Kunstmuseum, und einmal Gewitter und Regenguß als Installation im Museum....und wir sind nie naß geworden.

Heute war das ARoS dran, das ist schon von außen ein Hingucker und als erstes muss man natürlich aufs Dach, in das "rainbow panorama". Die Welt in allen Farben und Farbmischungen:




Und dann arbeitet man sich langsam nach unten, jedes Stockwerk ist einem Thema gewidmet:
Im 8. Stock ist: "Human Nature", aus der ständigen Sammlung mit dänischer Malerei aus den letzten drei Jahrhunderten, mit Namen, die mit Sicherheit im sklandinavischen Raum sehr bekannt sind, aber uns ganz fremd.
Sehr oft geht es um berühmte Gönner und Gesichter, Familien,  griechische Mythen, dem Krieg zwischen Dänemark und Schleswig Holstein, aber natürlich auch Landschaften. Manchen Bildern wurde ein Kommentar einer Person zur Seite gestellt,- das ist eine sehr nette und witzige Idee!- eine Art Bildbeschreibung von Laien. mal war es ein Pfarrer, mal eine dänische Verlegerin und mal ein ehemaliger Footballspieler:
Der äußert sich dann so "...I like this picture..Look there are sheeps an a couple of cows and a dog. But where`s the dog`s owner and isn`t that dog a bit small?"
Und das stimmt, ihr könnts wahrscheinlich nichtmal sehen, so klein ist dieser Hund. Das Bild ist von Vilhelm Kyhn/ View of vejle Fjörd 1862

Auch die See, der Abschied der Männer, sei es zum Fischen oder in den Krieg ist immer wieder Thema:

Im 6 Stock dann eine super interessante moderne Zusammenstellung von  Abschied und Heimat "Far from home":
Am beeindruckendsten war für mich das Werk von Ismar Cirkinagic," Herbarium", 2006-2016
Er hat auf den Massengräbern in Bosnien und Herzegowina Pflanzen gesammelt, sie gepresst und katalogisiert- "Knowing this transforms the flowers from exquisites natural images into relics of a brutal, hidden past."
Und dann natürlich "Boy" von dem australischen Künstler Ron Muecks, 2000


Und danach erstmal Mittagspause, draußen regnet es, wir können uns also viel Zeit lassen und wir brauchen auch viel Zeit, denn der Service in der Cafeteria ist so grottenlangsam. Hier in Dänemark ist sehr vieles mit Selbstbedienung, selbst in Restaurants muss man sich manchmal das Besteck und das Wasser selber holen. Die Hotels waren bisher größtenteils mit self-checkin. Aber wenn es mit Bedienung ist, dann sind es fast außschließlich sehr junge, sehr freundliche, sehr engagierte Frauen oder Männer, eigentlich immer Einheimische. Also Jungs und Mädels die sich in den Ferien, oder während des Studium etwas dazuverdienen. Vielleicht gibt es auch sowas wie ein freiwilliges gastronomische Jahr? Jeder sollte mal bedienen müssen? Und fast immer ist das richtig nett, aber heute waren sie komplett überfordert vom Andrang an einem Regenmontag und standen sich gegenseitig nur im Weg.

Aber egal, wir hatten ja Zeit und nachmittags ging es weiter mit dem Staunen:
Die Installation von Janet Cardiff und George Bures Miller "Storm Room" von 2009 im unteren Stockwerk war etwas ganz besonders: Stellt euch einen altmodischen Raum vor, keine Möbel, nur ein Waschbecken, Linoleum, an der Decke gelbliche Wasserflecken, darunter Eimer. An zwei Seiten gibt es Fenster, und draußen regnet es ein bisschen. Man kann sich auf runde Kissen auf den Boden setzen. Der Regen nimmt zu, in der Ferne das erste Donnergrollen. Das Gewitter kommt näher, Blitz, Donner, immer schneller, immer lauter, der Regen trommelt auf das Dach, bei jedem Blitz erzittert der ganze Raum. Dann noch ein heftiger Blitzschlag und das Gewitter zieht ab, es hört allmählich auf zu regnen und draußen wird es wieder heller, die Sonne kommt zurück. In der Ferne grollt es noch ein bisschen.
Unglaublich, in zehn Minuten die ganze Furcht und schließlich die Erleichterung.

Nun darf der Manne mal loslegen:

(m) Das ARoS ist wirklich die Wucht. Es gehört zu den ganz großen. Sowohl was das Gebäude anbelangt, als auch die Sammlungsbestände, als auch die Sonderausstellungen. Das Regenbogenpanorama ist natürlich das Wahrzeichen. Es ist von Olafur Eliasson, der auch in der Abteilung  Installation Art noch einmal vertreten ist.
Die Architekten des Gebäudes haben sich vom Guggenheimmuseum inspirieren lassen, aber eine ganz eigene Lösung gefunden.


 Ich möchte jetzt nicht die einzelnen Stockwerke durchgehen. Ich zeige Euch lieber ein paar von meinen Lieblingsbildern. Der Tag hier im ARoS war wirklich sehr anregend.

Das erste Bild gebe ich gleich an Euch weiter: Wer kann mir damit weiterhelfen:


18.Jahrhundert. Es trägt den Titel "Theologie" und ist von Nicolai Abraham Abildgaard. Er kannte Füssli und war ein "Freidenker". Aber wie ist das Bild zu lesen? Das Haupt von Johannes dem Täufer? Liegt nahe, aber was hat das mit Theologie zu tun. Offensichtlich ein kritischer Kommentar. Auf ihrem Schoss hat die Dame eine Leine liegen. Irgendein Tier, irgendetwas, ist nicht mehr "an der Leine" also nicht mehr unter Kontrolle. Kann dafür die Theologie veranwortlich sein? Oder müssen Häupter rollen, damit das Volk aus sein "Unmündigkeit" befreit werden kann? Wirklich? Ein Däne? Und niemand hat sich über das Bild aufgeregt?


Und auch diese Darstellung ist höchst ungewöhnlich. Diese Schlange ist eine Python und wenn Eva nicht aufpasst, wird sie mal kurz eingewickelt. Und Evas Körperhaltung deutet auch nicht darauf  hin, dass sie die Anregungen der Schlange sehr attraktiv findet. Und Adam? Ach richtig, im Hintergrund kümmert er sich um die Pferde. Männergeschäfte eben. Und wenn der Baumstamm rechts der "Baum der Erkenntnis" sein soll, dann hat der auch schon bessere Tage gesehen, überhaupt scheint das Paradies in der ersten Klimakrise zu stecken.

Von allen Sonderausstellungen des ARoS war Erró die größte Überraschung für mich. Ich hatte wohl schon mal ein Bild von dem auf  Island geborenen Künstler gesehen. Aber diese Ausstellung ist anscheinend die größte Überblicksausstellung des 1932 in Olafsvik geborenen Künstler. 
Sein Werk changiert zwischen Surrealismus und Popart und er ist ein großart, bösartiger Kommentator der Kunst und Politik seiner Zeit. 


Dieser Kommentar zu Picassos weinenden Frau ist so was von aktuell, wenn man an die gegenwärtige Diskussion um sein Verhältnis zu Frauen denkt. Und dass er der Großmeister der Comiccollagen ist, damit hat er mich völlig auf seiner Seite!


Und auch die New Yorker Szene und vor allem Jackson Pollock bekommen ihr Fett ab. Großartig.


Und wie er Evard Munch und die chinesische Kulturrevolution zusammenbringt ist schon ziemlich verstörend.
Erró ist wirklich die Entdeckung heute gewesen! Danke, ARoS!


Ich kann mich nicht erinnern, wann ich je 6 Stunden in einem Kunstmuseum war - und es lag nicht daran, dass es draußen wie aus Kübeln gegossen hat.

Auch die anderen Abteilungen waren wirklich sehr sehenswert, sowohl die von Annette Messager als auch "Far from home" oder die Installationen im Keller. 
Aber ich will jetzt hier keine Kunstvorträge halten.

Wie Friederike erzählt hat, sind wir wir tatsächlich trocken durch den Tag gekommen, haben uns noch das großarte DOKK1 angeschaut. Eine tolle multifunktionierende Bibliothek, direkt an der Hafenfront, mit Kinderspielmöglichkeiten, Ausstellungen, Lesezonen, Chillgelände (wie man heute sagen würde) -   U N D - supercool


einer Art Glocke, einem riesen Gong, der immer dann ertönt, wenn im Klinikum in Aarhus ein Kind geboren wurde. Leider blieb die Glocke still, so lange wir dort waren. 
Solche Beispiele machen doch Laune. Wenn Reichtum und gute Ideen tatsächlich ab und zu zusammenkommen. Aber dänisches Geld scheint das immer wieder zu gelingen, so haben wir den Eindruck.

Gestern Abend sah es hier am "Hotel am Hafen" noch so aus. Heute Abend treibt der Wind schwere Wolken vor sich her. Es hat deutlich abgekühlt! Mal sehen was uns Morgen auf der Fahrt nach Hobro erwartet. Wir haben die Taschen schon mal umgepackt. Die Regensachen kommen jetzt ganz nach oben. Drückt uns die Daumen! Und schaut Morgen wieder vorbei!






 


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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...