27.Juni 2013
Noch scheint die Sonne. Aber die vorbeirasenden Wolken und die heftigt bewegten Bäume lassen nichts gutes ahnen. Und es soll noch schlimmer kommen als wir uns vorstellen konnten. Schon auf den ersen Kilometern aus der Stadt wurden wir von heftigsten Böen überrascht, die uns fast vom Radweg gefegt hätten. Das war ein Schock!
Nach dem Zentrum,- es geht natürlich immer deutlich den Berg hinauf, wenn die Städte am Meer liegen, haben wir den Wind frontal! Nicht mehr so gefährlich, aber dafür um so häßlicher. Heute bläst der Wind wirklich ultrahäßlich.
Nach Berechnungen des metereologischen Institut Aarhus zählt bei Starkwind ein mit dem Fahrrad gefahrener Kilometer vom Kraftaufwand her,wie eine nautische Seemeile. So gesehen sind wir heute sehr deutlich über 100 km gefahren. Da gibt es heute kein Vertun. Heute bleiben wir auf dem Radweg der Bundesstraße 180, immer schnurgeradeaus bis Randers. Aber im rauf und runter - und zwar recht ordentlich.
Spaß beiseite. Wir hatten heute bis zu 45km/h Windgeschwindigkeit, das ist nach Beaufort
STURM !!
Für die 11 Uhr Banane verstecken wir uns hinter einigen Booten, die neben der Straße abgestellt sind. Hilft nicht wirklich.
f) haha, ich hab heue genau ein Foto gemacht, nämlich das hier:
Es ging heute nur ums Treten, die Böen abfangen und sich gegen den Wind stemmen. Nichts mit Robbenbaby- faktor, mit Romantik und kleinen Weglein. Treten, treten, treten.
Ich hab sogar meine Lenkertasche nach hinten auf den Gepäckträger verfrachtet, damit der böige Seitenwind mir nicht so in den Lenker fahren konnte. danke Klaus, das war ja eigentlich schon immer deine Idee gell!
Das Foto hab ich gemacht, weil diese streng abgezirkelte gelb- blaue Kombi witzig aussah, aber auch weil man sonst fast keinen Raps und schon gar nicht Phacelia sieht. Hier auf Jütland haben wir fast nur Monolulturen gesehen riesige Weizenfelder, aus denen kein einziges kleines Blümchen oder Kraut herausschaut, oder Mais oder Kartoffelns, keine Hecken dazwischen, keine Blühstreifen, wenig Brache. Und schon an der Nordsee ist uns aufgefallen, dass das Gras an den Wegen den Dämmen entlang grau und ausgetrocknet ist. Hier wird nicht gemäht, sondern gespritzt.
Und: es gibt keine Insekten! Keine Schmetterlinge, Bienen, Fliegen, Steckmücken, nichts. Wir sind noch kein einziges Mal durch Mückenschwärme durchgefahren, kein einziger Brummer ist mir bisher gegen die Brille geknallt, nichtmal Manne hat einen Schnakenstich abbekommen. Selbst im botanischen Garten in Aarhus, wo sie außerhalb der exotischen Pavillions einen dänischen Garten angelegt haben, mit Mohn, Lupinen, Glockenblumen, Hornklee, Margariten und Salbei, selbst da wimmelt es nicht von Insekten, keine einzge Biene hab ich gesehen.
Dort in Aarhus gabs einen kleinen "Öko"markt mit Infos und Mitmachaktionen zu Naturthemen und ich kam ins Gespräch mit einem jungen Mann, der über ein Regenwaldprojekt informierte. Ja, Dänemark hat ein hohes Insektensterben und es wird auf politischer Ebene nicht wirklich etwas getan. Allerdings waren auch die letzten fünf Wochen sehr heiß und es gab keinen einzigen Regentag (das war vor dem gestrigen Regenguß, "das Gespräch wurde vor der Sendung aufgezeichnet"), normalerweise ist der Juni nass und noch kühl. Die Insekten haben sich in Erdlöcher o.ä. versteckt. Aber Hauptproblem ist die Landwirtschaft, Pestizide und Monokultur. Und die Dänen mögen keine Insekten, sagte der junge Kerl.
Er hat wohl gemerkt, dass mich das Thema wirkich umtreibt und zum Abschied hat er mir gute Fahrt gewünscht und dass ich noch einige Insekten sehe.
Ich muss immer an Maja Lunde und "die Geschichte der Bienen" denken, wie schrecklich diese Zukunftsvision.
In Randers- Mittagspause- hab ich ein richtig leckeres Roggenbrot mit Avokado gegessen, und das gute ist, dass ich jetzt mein langweiliges Vesperweckle essen kann und nicht mehr nach draußen muss. Manne muss noch was richtiges essen und ist grad losgezogen auf der Suche nach einem Restaurant in der Nähe. Das wird schwierig, wir sind nämlich ganz außerhalb in einer Jugendherberge/Landschulheim und es windet immer noch fürchterlich.
So, drückt uns die Daumen, dass sich der Wind ein bisschen beruhigt und dass die Schulklassen, die grad noch ums Haus toben, einermaßen ruhig sind heute Abend.
(m) Ich bin wieder zurück. Gut gesättigt und gestärkt. Ein Riesenhamburger, das war das, was am nächsten lag und nicht zu weit nach unten in Richtung Stadt.


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