Mittwoch, 28. Juni 2023

14.Tag: Von Hobro nach Aalborg

 28.Juni 2023

die Karte

Ein perfekter Radeltag, allerdings mit sehr müden Beinen von gestern.

Schon beim Aufwachen die große Erleichterung: die Bäume vor dem Fenster wiegen sich sanft im Wind, die Sonne scheint.

Beim Hinausfahren aus Hobro haben wir noch kurz im Hafen gehalten und einen Blick auf den Mariagerfjord geworfen, eigentlich eher eine Förde als ein Fjord. Immerhin ist er 38 km lang und bis zu 4,5 km breit.


Und dann gings Hügel hinauf und hinab, mal mit mal gegen den Wind, aber der war heute harmlos. Wären wir zuhause gewesen hätten wir vielleicht gesagt, "Och heute machen wir keine Radtour, es windet ja ganz schön...." Aber allmählich sind wir abgehärtet. Auch gestern im Cafe (beim Roggen-Avokado-brot) habe ich ein bisschen mit der Kellnerin gesprochen, "Heftiger Wind heute", "ja ein bisschen" lächelt sie, "na das ist doch ein richtiger Sturm", und sie ganz amüsiert: "ach wo sind sie denn her?" und als ich sagte aus Deutschland, da hat sie nur noch freundlich und etwas mitleidig gelächelt.
Es gab heute viel Landschaft und kleine Radwege, ganz so wie es mir gefällt.


mit Kühen und Pferden, Blumen und auch mal ein paar Schmetterlingen. Es ist toll, sobald die Landschaft kleinteiliger wird, es ein paar Hecken, Disteln, Klee und Sumpflöcher gibt, ist das Leben wieder da. Da sollten wir doch endlich handeln, oder.
Es kam auch mal eine Riesenbaustelle, mit weiträumiger Umleitung, aber der Manne ist einfach durchmaschiert " keine Lust auf Umweg heute".

Und der Baggerführer hat tatsächlich gewartet, bis wir durch waren. aber als ich dann auch noch umständlich das Handy herausgeholt habe fürs Foto, hat er sein Riesengerät angeworfen und mit dem Baggerarm gefuchtelt.

Das Tollste war aber der Cola-See, genau zur Mittagspause:

Ein ganz roter See, Badesteg und ein einziger Schwimmer im Neoprenanzug. Aber auf einer Picknickbank ein Däne mit Handtuch um die Hüfte und- wie sich später herausgestellt hat- sein mexikanischer Schwiegersohn. Der See heißt Økse- See und hat seine Farbe vom mit moorigem Untergrund, erklärt der Mann, und sein Schwiegersohn nennt ihn Cola-See. Die Wasserqualität ist erstklassig, er hat mir auch gleich das Schild gezeigt, das dies belegt. 



Also nicht wie rein! es war herrlich, ein bisschen zu kalt. aber ich bin richtig rausgeschwommen und hab beim weiterfahren dann eine ganze zeitlang gebraucht wieder warm zu werden.

Jetzt geb ich mal weiter, tschüß bis morgen! 

(m) Es war wirklich ein rundum schöner Tag, auch wenn die Strecke auch ihre Tücken hatte. Es hat mich heute an die Bretagne erinnert, an die "ondulierte" Bretangne, wo man immer beim Bergabfahren in die Eisen getreten hat, in der Hoffnung den nächsten Anstieg hoch zu kommen, ohne in das kleinste Blatt zu müssen - und natürlich hat es nie geklappt.
Gegen 15:00 sind wir in Aalborg angekommen. Die Stadt hat uns gleich positiv eingenommen. Hier ist richtig was los. Wobei nun nicht unbedingt direkt vor unserem Fenster die Partymeile sein müsste.

Bei unserer Ankunft war es noch relativ harmlos, aber jetzt am Abend ist der Krach doch recht erheblich. Aalborg ist ein richtiges "Feierbiest" wie es scheint.
Ein kleines Problem hatten wir allerdings mit den Fahrrädern. Auf der Straße ? No way? Die nette Rezepitionistin (ja, wirklich heute hatten wir es wieder einmal mit Menschen zu tun) meinte, wir könnten die Fahrräder mit auf´s Zimmer nehmen. Ok? Die Rezeption war schon im 1.Stock. Aber 2 Fahrräder in diesem Zimmerchen, sorry, das hätten wir heute Nacht echt Probleme bekommen. Nach einigem Hin und Her haben wir das Problem gelöst bekommen. Auf dem 1.Stock, ganz hinten hat sie einen Durchgang zu einem Treppenhaus gefunden, der nicht genutzt wird. Gemeinsam haben wir ein wenig aufgeräumt - und siehe da! Die Fahrräder passen rein! 
Unsere Stadterkundung haben wir natürlich unten am Limfjord begonnen, der streng genommen gar kein Fjord ist, sondern eine direkte Verbindung von Nord- und Ostsee. Man könnte sagen,der obere "Zipfel" von Jütland ist eine Insel. Der Durchbruch erfolgte erst 1825 als an der Nordsee eine Landzunge bei einem Sturm zerstört wurde. Der Salzgehalt des Limfjords ist sehr weit ins Inland so wie in der Nordsee, bei Aalborg wird er dann deutlich schwächer, sagen sie. Ich habe es nicht probiert.
Friederike war ganz aus dem Häuschen, als sie direkt auf der Höhe unseres Hotels eine "Fjordschwimmanstalt" entdeckt hat.


"Zum Glück" ist sie geschlossen - sonst hätten wir Morgen früh noch eine Badepause vor Reisebeginn einlegen müssen. Später im "Brauhaus" haben wir uns mit einem Aalborger Paar unterhalten, die meinten man habe die Badeanstalt wegen eines Rattenproblemes schließen müssen. 
Schwimmbäder, wie dieses, kenne ich eigentlich eher von Flüssen. An der Donau, am Rhein oder an der Mosel habe ich ähnliche gesehen. Unsere Tischnachbarn meinten, der Limfjord habe eine heftige Strömung in Richtung Ostsee - vermutlich. So ganz sicher waren sie sich da nicht. 


In der Innenstadt ist heute Abend richtig was los. Ganz anders als in den Städten die wir bisher kennengelernt haben. Überall Straßencafés,Restaurants und Bars.
Aber zuerst das Pflichtprogramm. Die Stadtkirche eher uninteressant und ausserdem geschlossen.
Der alte Klosterbezirk, sehr interessant, aber nicht öffentlich zugänglich, wird teilweise als Altenresidenz genutzt.




Die Fresken hätte ich sehr gerne gesehen!
Dann halt ins berühmte Bryghus gleich nebenan. Ein richtiges Brauhaus, mit dänischen Gerichten - neben den obligatorischen Hamburgern natürlich.
Seit Tagen ernähren wir uns, was die internationale Speisekarte so hergibt. Tapas, Spaghetti, Hamburger, Gyros (das original leckere Pfannengyros von Bofrost!) - oder auch mal hipstermäßig cool von bowls und veganer Pita, oder die dänische Variante von syrischem Essen. Aber was dänische Küche ausmacht, haben wir noch nicht so richtig raus gekriegt. Ok, panierter Fisch und Smørebrød, das kann man als dänisch springen lassen. Im Brauhaus komme ich heute gefühlt zum ersten Mal richtig mit dänischer Küche in Kontakt. "Bierpot" eine Art Stew mit Kartoffel, Schweinefleisch, Bacon, Würstchen... jetzt weiß ich, dänisches Essen ist nur ein Vorwand ist, um sich einen Akvavit zu bestellen. Und der berühmteste Akvavit kommt natürlich aus Aalborg. In Deutschland besonders beliebt ist der "Jubi" - der "Jubiläumsakvavit". Da das Aalborger Akvavitmuseum "dauerhaft geschlossen" ist, wird uns das genauso wenig wie das Fjordbad daran hindern Morgen zu unserer letzten Etappe auf Jütland aufzubrechen.

Aber ehe ich es vergesse! Der "Bierpot" hat sich auch in der Vogelwelt rumgesprochen. Wir alle kennen ja die Spatzen, die in Fußgängerzonen und Strandcafés rumlungern, um ein paar Pommes Frittes zu erwischen. Wenn dich aber Riesenmöven von oben beim Essen beobachtet, dann hat das eine andere Qualität.


Und ob Ihr es glaubt oder nicht, kaum waren wir aufgestanden, stürzte sich diese Möve auf unseren Tisch, um sich über den Rest des Bierpots herzumachen. Leider war ich nicht so schnell,um  ein Foto davon zu machen. Zumal die Leute von den Nebentischen sie sofort verjagt haben. Da sind mir unsere Spatzen eindeutig lieber als Resteverwerter.

Gehabt´s Euch wohl! Schaut Morgen wieder vorbei!

1 Kommentar:

  1. Als Förde bezeichnet man eine von einer landwärts wandernden Gletscherzunge gegrabene, üblicherweise schmale Meeresbucht. Sprachlich sind Förde die deutsche und Fjord die skandinavische Variante desselben Wortes. Geologisch gesehen sind die Förden aber keine Fjorde, weil letztere durch seewärts wandernde Gletscher entstanden. An der Ostküste der Kimbrischen Halbinsel werden teilweise dieselben Ostseebuchten auf Dänisch Fjord und auf Deutsch Förde genannt.
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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...