Donnerstag, 22. Juni 2023

8.Tag: Ruhetag in Kolding

 frieda): 


Das Beste zuerst: die Ostsee! Ich liebe die Ostsee, sie ist einfach da und sie ist herrlich zum schwimmen. Selbst Manne ließ sich ein bisschen ins Wasser locken:



Aber davor waren wir noch im Koldinghus, einem der Schlösser der dänischen Königsfamilie. Das königliche Schiff, die königlichen Gewänder, Ahnengalerie, Schmuck, Krönungsmäntel, Fotos und weiteres.

Am besten hat mir das dänische Design in den alten Gemäuern gefallen.




Und die Pfeiler aus Eichenholz, die so filigran im Raum stehen und kaum den Boden berühren:



Und am witzigsten war, dass man sich als König und Königin verkleiden konnte, nach einigem Zureden hat der Manne sogar mitgespielt. Dass aber der ältere Herr, der netterweise von uns Fotos gemacht hat, so planlos draufgehalten hat, das war so nicht geplant. Aber schaut selber:


Und nun noch die Lösung unserer gestrigen Frage, es gab zwei Einsendungen:

"Die Rinder heißen Lakenvelder Kühe", danke Till. Auch Herr Schmidt hat geantwortet: "Belted Galloways.", dankeschön.

So, der König ist erwacht und übernimmt die Regierungsgeschäfte:



(M): Tja, das kommt raus, wenn man sich zum Affen macht.
Das Koldinghus ist wirklich interessant. Das Design von dänischer Güte. ABER, die Huldigung des Königshauses ist etwas arg plump. Wie es scheint,  lieben die Dänen ihre Monarchie wirklich.
Koldinghus, jahrhundertelang an der Grenze, gehörte zu den Schlössern, die das Königshaus regelmäßig aufsuchte. Ich war erstaunt zu erfahren, dass in Dänemark diese Wirtschaftsweise des Mittelalters, bei der sich der "Hof" ständig auf Reisen befand, um die ihm zustehenden Naturalien vor Ort zu verspachteln, bis ins 17.Jahrhundert gepflegt wurde. 
Da Koldinghus im 19.Jh ausgebrannte, ist von der ursprünglichen Ausstattung nicht viel übrig. Viel Platz für die Architekten, sich auszutoben- wie Friederike schon ausgeführt hat, eigentlich sehr ansprechend.
Und durchaus mit einem Gespür für Inszenierungen.
Ein großer Teil der "Ausstellung" ist dem königlichen Schiff "Dannebrog" gewidmet, das gleich im ersten Raum durch die Wand bricht.


Dannebrog ist der Name der dänischen Flagge und auch der Name der gegenwärtigen Luxusjacht des Königshauses, erbaut 1936, die  auch Ausbildungsschiff der dänischen Marine dient.
Ein ganzer Trakt des Schlosses widmet sich der Ausstattung des Schiffes, seinen Reisen, was die Königsfamilie auf dem Schiff so treibt, usw. 


"Jedes Jahr sticht die Dannebrog mit ihrer Majestät an Bord in See, um Land und Leute zu besuchen" und hoheitsvoll winkt die Monarchin ihren Untergebenen zu. 
Wie gesagt, die Dänen lieben ihre Monarchie. Im Souveniershop Bildbände ohne Zahl über das Herrscherhaus. Aber muss es gleich so kitschig sein.                                                                            Dementsprechend ist auch auf dem Schloss eine große Zahl freiwilliger Helfer unterwegs, die "originalgetreue" Kopien von Kostümen aus allen Epochen herstellen, die der Besucher dann auch anziehen darf - siehe oben.
Wirklich historisch ausser den Aussenmauern der Ruine ist hier nicht viel.
Nur zwei Bilder sind sehr bezeichnend


:
Im Potrait der Gemahlin von Christian V.  steht "Alles von Gott". Genauso waren die Portraits gestern in Dom zu Ribe. Strotzend von Selbstgerechtigkeit. Und die Lüge, die sich in "Von Gottes Gnaden" irgendwie geschickter versteckt, kommt hier völlig ungeschminkt daher. Natürlich hätten die Bauern, Handwerker und  fronpflichtigen Untertanen eine andere Auskunft gegeben, woher der Reichtum des Königshauses kommt.
Aber ist das nicht fast überall so? Geschichte als "Themenpark" mit der Option sich zu verkleiden.
Schluss damit, ich will ja nicht miesepetrig rüber kommen. 

Und ein Stück lebendige Geschichte haben wir heute gegen Abend hier an dieser Brücke erlebt.


Am Nachbartisch in diesem schnuckeligen Café saß ein dänisches Paar, ungefähr in unserem Alter. Wir kommen ins Gespräch."Wussten Sie, dass genau hier, an diesem Fluss einmal die Grenze zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein war?" Der Spur nach war mir das klar, was sie dann sagte, hatte ich so nicht auf dem Schirm."Das hier war die einzige Grenzänderung, die durch die `Herzen` erreicht wurde." Ok? "Wir haben für Dänemark gestimmt! Es gab eine Wahl!"
Wie war das nochmal? Habe ich in der Schule nicht gelernt, dass alles irgendwie mit Versailles zusammenhing? Zurück im Hotel habe ich mich schlau gemacht. Es war in der Tat etwas komplizierter. Die Abtretungen an Dänemark sind nicht von oben diktiert worden. Sondern entsprechend der 14 Punkte von Woodrow Wilson, sollte es ein Selbstbestimmungsrecht der Völker geben. Was in Südjütland nicht ganz so einfach war, da man weder in Deutschland noch in Dänemark zu scharf auf  große Minderheiten im eigenen Land war. Besonders die Dänen hatten nach 1849 keine so tollen Erinnerungen an diese Minderheiten. Also musste man vorher genau überlegen, wo die Grenzue am "geschicktesten" wäre. Kolding war dann die Wahl. Im Sommer 1920 wurde Südjütland nach freien Wahlen  nach 56 Jahren wieder mit Dänemark vereint. Das hatte unsere nette Dänin vom Nebentisch gemeint, die übrigens sehr gut Deutsch sprach und in der Nähe der heutigen Grenze aufgewachsen ist. So geht es doch auch! Grenzveränderungen ohne Blutvergießen und "ethnische Säuberungen". 
Ein kleines Schild nicht weit von der Brücke habe ich gefunden, das auf die Zeit verweist, in der dänische, Deutsche und friesische Nationalisten noch dachten, sie könnten mit militärischen Mittel die Grenzen neu ziehen.

Der 23.April bezieht sich auf die Schlacht von Kolding, die den Anfang von jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen um "Schleswig Holstein, meerumschlungen..."  bildete.

Aber jetzt endgültig genug der Geschichte/n.

Über die Mitsommernachtsbräuche der hiesigen Einwohner haben wir ja schon berichtet. Und auch heute durften wir an einigen Ihrer Bräuche und Sitten teilhaben:



Das war um die Mittagszeit. Da ziehe ich die Matrosenmütze. Die Kids haben Ausdauer!
Ich nicht so sehr! 
Auch ein "Ruhetag" kann anstrengend sein. Und wir haben heute wieder viel gesehen und viel gelernt.
Bis Morgen!





 

 



1 Kommentar:

  1. Hallo Ihr zwei! Sehr schöne Berichte, vielen Dank für Eure lustigen und interessanten Eindrücke. Um das Meer, egal ob Ost oder Nord, beneide ich Euch, und um die langen Tage auch. Hier im heimischen Engen rockt grade der Bär in Form des Feuerwehrfestes zu Ehren des 100 Jahre alten Magirus-Deutz. Feiern kann man ja auch, wenn die Sonne schon um halb zehn weg ist.
    Viele Grüße und viel Spaß weiterhin!
    Jutta und Wolfgang

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Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...