Freitag, 30. Juni 2023

16.Tag: mit der Fähre nach Göteborg

 30.6.2023

heute keine Karte

frieda): Heute war die Überfahrt von Dänemark nach Schweden. Wir mussten gaaaanz früh aufstehen, haben uns dann ein bisschen im Hafengebiet "verirrt", falscher Eingang, wir dachten wir wären bei den Fußgängern aber wir waren bei den Lastwagen, Autos und direkt hinter den Rockern. 


und schließlich wurden wir in die unterste, die Lastwagenetage der Stena Fähre gelenkt:


Der nette Rocker hat uns noch beim anbinden der Fahrräder geholfen, wir haben uns echt blöd angestellt.
Es hat fürchterlich nach Fisch gestunken, wahrscheinlich waren grad die Fischladungen von Schweden rübergekommen und haben vor sich hin getropft. Ich hoffe nur, dass unsere Fahrräder den Geruch wieder verlieren.

Aber dann wurde es ganz entspannt:



Ausfahrt aus Fredrikshavn


Lange vor Göteborg beginnen die Schären


Einfahrt nach Göteborg



Und dann, gleich nach dem Abladen unseres Gepäcks im Hotel: kanebullar- Zimtschnecken.
und zwar die mega-große und -leckere Variante die Haga-bullar:




Was es sonst noch im Haga-Viertel gibt, erzählt euch der Manne.

(m): Da ich mich an dieser Monster-Zimtschnecke beteiligen musste, erkläre ich hiermit feierlich, dass dies die erste und letzte auf dieser Reise war. 
Nicht dass sie nicht geschmeckt hätte, aber ich esse ja auch sonst nie einen halben Hefezopf auf einmal.
Schon ein genialer Marketingtrick! Jeder und wirklich jede Touristin kommt irgendwann einmal in der  "legendären" Bäckerei in der Haga Nygata vorbei und garantiert jeder und jede zweite essen dann auch eine dieser Monster-Zimtschnecken. 
Die Haga Nygata ist bekannt für die traditionellen Holzhäuser, von denen es sonst in ganz Göteborg wahrscheinlich nirgendwo mehr welche gibt.


In der Haga Nygata ballt sich das touristische Leben. Ein Schülergruppe aus Deutschland tauscht sich über die erbeuteten Souvenire aus. Ein Mädchen mit drei Taschen: "Ich habe 300.-€ ausgegeben, ein T-Shirt für, ein...." ich fasse es nicht, was bekommen deutsche Jugendliche an Taschengeld auf Klassenfahrt mit?

Unser Hotel heute ist übrigens ungewöhnlich. Mitten im Zentrum, sehr gediegen aber nicht übertrieben teuer. Ein Haus in Privatbesitz, aus den 1860iger Jahren mit hervorragendem Personal.


Ein bisschen Orientnostalgie, fast schon Jugendstil. Der Seniorchef , vor einem Jahr gestorben, war sehr kunstaffin und ein großer Christo-Fan. Ich habe noch nie eine Wand mit autorisierten großformatigen Fotos von allen Christo-Aktionen gesehen.

Und auch sonst eine beachtliche Kunstsammlung.




 Cool - und wie gesagt durchaus noch bezahlbar.


Wie Ihr seht, sind in Schweden nicht nur die idyllischen Häuschen auf oder an den Schären rot, sondern auch die Dächer in der Stadt.

Heute bin ich gut ein Kilo Karten losgeworden. Wie immer ist das Versenden von Briefen oder Päckchen nicht ganz einfach, Zolldeklarationen ... Postämter gibt es in Schweden offensichtlich nicht mehr. Das machen Lotto-Totto-Annahmestellen nebenher. 
Blöderweise habe ich meine Sonnenbrille an der Postannahmestelle liegen lassen. Eine Stunde später liegt sie immer noch da. 

Das ist der Beweis: "Schweden sind ehrlich - und Dänen lügen nicht!"

Abends noch eine kleine Runde durch die Innenstadt. Abendessen mit Ramen. "Multikulti" unter der Regenbogenfahne. Der erste Abend in Schweden läßt sich gut an.
Was wir in Aalborg nicht geschafft haben, zu beweisen, dass die Möwen, die Spatzen des Nordens sind, ist Friederike heute Abend gelungen.  


Die Möve sieht auf dem Bild eher putzig aus, aber mit einer Flügelspannweite von sicher um einen Meter ist so ein Landeanflug eher scary.

Mal sehen, was Göteborg noch so zu bieten hat.
Schaut doch einfach Morgen wieder vorbei.
 



Donnerstag, 29. Juni 2023

15. Tag: Von Aalborg nach Frederikshavn

 29.Juni 2023

die Karte


23:00 Uhr: die Partymeile in der Jungfer Ane Straße nimmt Fahrt auf. Schrilles Lachen geht "durch Mark und Bein". Schlecht geölte - oder zu viel geølte Jungmännerchöre brüllen sich die Stimme aus dem Leib, ich glaube sie meinen, dass sie singen. Ok! Die Fenster können nicht offen bleiben.

1:30 Uhr: Im Zimmer ist es stickig. Also Fenster wieder auf. Der Lärmpegel ist nur mäßig geringer. Ein begnadeter Pfeifvirituose pfeift lautstark die "Ode an die Freude" in Dauerschleife. Nicht schlecht aber eindeutig zu laut. Das Gelächter schwillt an und wieder ab. Also Fenster wieder zu.

6:30 Uhr: Im Zimmer ist es stickig. Also Fenster wieder auf. Jetzt ist die Zeit der Reinigungsmaschinen mit der Lautstärke eines landenden Jumbojets. 

Dummerweise ist genau gegenüber von uns ein 7/11. Die eingeschworene Schluckergemeinde Aalborgs trifft sich hier an der Ecke ein, um nicht zu verpassen, wenn der 7/11 um 7:00 Uhr wieder aufmacht. Unglaublich, dass es Menschen gibt, die nach einer durchgemachten Nacht noch weiter saufen wollen. Ein osteuropäischer Mann hat offensichtlich keine guten Erfahrungen mit Frauen gemacht und brüllt in einem fort mit sich über schlagender Stimme "curva"!

Also noch einmal Fenster zu.

Wir haben uns gefragt, wie es sein kann, dass an einem ganz normalen Mittwochabend so viele junge Menschen das Bedürfnis haben, sich die Kante zu geben. Zuerst dachten wir, vielleicht gibt es eine Fährverbindung nach Schweden. Einmal besoffen hin und zurück, im Sonderangebot. Dem ist aber nicht so. Zumindest haben wir keine Fährverbindung gefunden. 

Aber vielleicht hätte ich besser vorher mal genauer im Internet nachgeschaut. Aalborg ist das LLoret del Mar des Nordens:


"Größte Partystaße Skandinaviens

Mit ihren 150 Metern ist Jomfru Ane Gade die grösste Party- oder Kneipenstrasse in Skandinavien. Das zeigt sich auch in der grossen Auswahl von Diskos, Bars und Kneipen. Manchmal gibt es auch Stand-Up, Livemusik und Mottoparties. Kurz gesagt gibt es für jeden etwas. Und wissen Sie noch nicht was Sie wollen, dann machen Sie sich keine Sorgen – in der Regel ist der Eintritt frei und Sie können einfach alle Orte ausprobieren."


Es hat in der Nacht geregnet. Die Wolken hängen knappt über den Hügeln und dem Fjord.


Nein, das ist keine künstlerische Schwarz-Weiß-Aufnahme. Der Morgen war heute schwarzweiß und es nieselte.

Aber zum Glück ist es nicht kalt und es kommt heute kein heftigter Anstieg, um aus dem Fjord herauszukommen. 

UND!!! Wir haben Rückenwind. Nicht heftig, aber 10 km/h von hinten helfen - sehr! Unsere noch etwas von den beiden Vortagen geschundenen Oberschenkel wissen es zu danken! Wir fliegen wieder einmal dahin.

UND!! Das heute Streckenprofil ist sehr "häbig" - wie der Schwabe sagt, - "gut zu haben"! Von Friederike kein Wort des Protest, dass wir wieder einmal auf dem Radweg an der Bundesstraße 180 entlangrasen. Der "Ochsenweg" hat uns praktisch durch ganz Jütland begleitet - oder besser wir ihn.


Uns halten heute nur Baustellen kurzfristig auf.


Von den obligatorischen Straßenkomplettsperrungen der letzten Tage, war die heutige besonders knifflig. Aber wir haben es geschafft durchzukommen ohne die Umleitung zu fahren. Allerdings mussten wir mit vereinten Kräften die Fahrräder über eine steile Treppe an einem Supermarkt hochwuchten!



So kam es, dass wir die 65 km in Rekordzeit runtergespult haben - und für Friederike sogar noch ein Bad in der Ostsee drin war.


Aber das soll sie Euch selbst erzählen:

f)  Ein paar Kilometer vor Frederikshavn  entlang von netten Ferienhäusern, Campingplätzen und gepflegten Rasenflächen eine Bilderbuch  Ostsee, mit herrlich weißem Sand, der sich bei näherem Herangehen als riesige Haufen von weißen Muscheln herausstellte


Das Wasser war sehr sauber, keine einzige Qualle und sehr kalt. Herrlich. Und dann kam sogar ein bisschen die Sonne heraus, was will man mehr.

Heute sind uns wieder ein paarmal die Lastwagen mit den feiernden Abiturienten begegnet, laute Musik, lautes Hupen und Schreien. Inzwischen machen wir es wie die Dänen, - wie jeder Bus- oder Lastwagenfahrer, jede Oma die an der Ampel steht, jeder Fahrradfahrer, jeder Passant- wir winken zurück und freuen uns und erinnern uns an unsere Jugend. Wir haben uns erkundigt: die Eltern mieten ein Ferienhaus o.ä. für die Kids, wo sie ein paar Tage verbringen und immer wieder Corso fahren. Dafür braucht es Traktoren, Lastwagen, die von den Behörden auf Sicherheit überprüft werden. Früher hat man das mit Pferdekarren gemacht, erzählt uns ein dänsiches Ehepaar mit wehmütigen Augen. Es ist die tollste Zeit, an die man sich ein Leben lang erinnert.
Unsere Kids gehen auf Klassenfahrt nach Lloret de mar...naja, da weiß man auch was sie machen.
Es hat hier was rührendes, sehr familiäres, wie ein ganzes Land, egal ob der einzelne Kinder hat oder nicht, diese Jugendlichen feiert und beglückwünscht. Und deshalb machen wir das jetzt auch!

Frederikshavn ist vor allem ein Hafen, ein paar Restaurants, die auf Fährtouristen eingestellt sind und eine kleine Fußgängerzone mit Deichmann und co. 
Ein unspektakulärer Ort nach einer unspektakulären Fahrt... außer natürlich mein Badestopp.
Morgen ist die große Überfahrt nach Schweden und dann Göteborg, also die Radklamotten kommen jetzt mal ganz unten in die Taschen.

Und noch ein notwendiger Nachtrag:
 
Es ist  aufgefallen, dass wir nicht nicht immer richtig mit dem Begriff Fjord umgegangen sind. Aus Streichen kam eine hilfreiche Klärung:

"Als Förde bezeichnet man eine von einer landwärts wandernden Gletscherzunge gegrabene, üblicherweise schmale Meeresbucht. Sprachlich sind Förde die deutsche und Fjord die skandinavische Variante desselben Wortes. Geologisch gesehen sind die Förden aber keine Fjorde, weil letztere durch seewärts wandernde Gletscher entstanden. An der Ostküste der Kimbrischen Halbinsel werden teilweise dieselben Ostseebuchten auf Dänisch Fjord und auf Deutsch Förde genannt."




Mittwoch, 28. Juni 2023

14.Tag: Von Hobro nach Aalborg

 28.Juni 2023

die Karte

Ein perfekter Radeltag, allerdings mit sehr müden Beinen von gestern.

Schon beim Aufwachen die große Erleichterung: die Bäume vor dem Fenster wiegen sich sanft im Wind, die Sonne scheint.

Beim Hinausfahren aus Hobro haben wir noch kurz im Hafen gehalten und einen Blick auf den Mariagerfjord geworfen, eigentlich eher eine Förde als ein Fjord. Immerhin ist er 38 km lang und bis zu 4,5 km breit.


Und dann gings Hügel hinauf und hinab, mal mit mal gegen den Wind, aber der war heute harmlos. Wären wir zuhause gewesen hätten wir vielleicht gesagt, "Och heute machen wir keine Radtour, es windet ja ganz schön...." Aber allmählich sind wir abgehärtet. Auch gestern im Cafe (beim Roggen-Avokado-brot) habe ich ein bisschen mit der Kellnerin gesprochen, "Heftiger Wind heute", "ja ein bisschen" lächelt sie, "na das ist doch ein richtiger Sturm", und sie ganz amüsiert: "ach wo sind sie denn her?" und als ich sagte aus Deutschland, da hat sie nur noch freundlich und etwas mitleidig gelächelt.
Es gab heute viel Landschaft und kleine Radwege, ganz so wie es mir gefällt.


mit Kühen und Pferden, Blumen und auch mal ein paar Schmetterlingen. Es ist toll, sobald die Landschaft kleinteiliger wird, es ein paar Hecken, Disteln, Klee und Sumpflöcher gibt, ist das Leben wieder da. Da sollten wir doch endlich handeln, oder.
Es kam auch mal eine Riesenbaustelle, mit weiträumiger Umleitung, aber der Manne ist einfach durchmaschiert " keine Lust auf Umweg heute".

Und der Baggerführer hat tatsächlich gewartet, bis wir durch waren. aber als ich dann auch noch umständlich das Handy herausgeholt habe fürs Foto, hat er sein Riesengerät angeworfen und mit dem Baggerarm gefuchtelt.

Das Tollste war aber der Cola-See, genau zur Mittagspause:

Ein ganz roter See, Badesteg und ein einziger Schwimmer im Neoprenanzug. Aber auf einer Picknickbank ein Däne mit Handtuch um die Hüfte und- wie sich später herausgestellt hat- sein mexikanischer Schwiegersohn. Der See heißt Økse- See und hat seine Farbe vom mit moorigem Untergrund, erklärt der Mann, und sein Schwiegersohn nennt ihn Cola-See. Die Wasserqualität ist erstklassig, er hat mir auch gleich das Schild gezeigt, das dies belegt. 



Also nicht wie rein! es war herrlich, ein bisschen zu kalt. aber ich bin richtig rausgeschwommen und hab beim weiterfahren dann eine ganze zeitlang gebraucht wieder warm zu werden.

Jetzt geb ich mal weiter, tschüß bis morgen! 

(m) Es war wirklich ein rundum schöner Tag, auch wenn die Strecke auch ihre Tücken hatte. Es hat mich heute an die Bretagne erinnert, an die "ondulierte" Bretangne, wo man immer beim Bergabfahren in die Eisen getreten hat, in der Hoffnung den nächsten Anstieg hoch zu kommen, ohne in das kleinste Blatt zu müssen - und natürlich hat es nie geklappt.
Gegen 15:00 sind wir in Aalborg angekommen. Die Stadt hat uns gleich positiv eingenommen. Hier ist richtig was los. Wobei nun nicht unbedingt direkt vor unserem Fenster die Partymeile sein müsste.

Bei unserer Ankunft war es noch relativ harmlos, aber jetzt am Abend ist der Krach doch recht erheblich. Aalborg ist ein richtiges "Feierbiest" wie es scheint.
Ein kleines Problem hatten wir allerdings mit den Fahrrädern. Auf der Straße ? No way? Die nette Rezepitionistin (ja, wirklich heute hatten wir es wieder einmal mit Menschen zu tun) meinte, wir könnten die Fahrräder mit auf´s Zimmer nehmen. Ok? Die Rezeption war schon im 1.Stock. Aber 2 Fahrräder in diesem Zimmerchen, sorry, das hätten wir heute Nacht echt Probleme bekommen. Nach einigem Hin und Her haben wir das Problem gelöst bekommen. Auf dem 1.Stock, ganz hinten hat sie einen Durchgang zu einem Treppenhaus gefunden, der nicht genutzt wird. Gemeinsam haben wir ein wenig aufgeräumt - und siehe da! Die Fahrräder passen rein! 
Unsere Stadterkundung haben wir natürlich unten am Limfjord begonnen, der streng genommen gar kein Fjord ist, sondern eine direkte Verbindung von Nord- und Ostsee. Man könnte sagen,der obere "Zipfel" von Jütland ist eine Insel. Der Durchbruch erfolgte erst 1825 als an der Nordsee eine Landzunge bei einem Sturm zerstört wurde. Der Salzgehalt des Limfjords ist sehr weit ins Inland so wie in der Nordsee, bei Aalborg wird er dann deutlich schwächer, sagen sie. Ich habe es nicht probiert.
Friederike war ganz aus dem Häuschen, als sie direkt auf der Höhe unseres Hotels eine "Fjordschwimmanstalt" entdeckt hat.


"Zum Glück" ist sie geschlossen - sonst hätten wir Morgen früh noch eine Badepause vor Reisebeginn einlegen müssen. Später im "Brauhaus" haben wir uns mit einem Aalborger Paar unterhalten, die meinten man habe die Badeanstalt wegen eines Rattenproblemes schließen müssen. 
Schwimmbäder, wie dieses, kenne ich eigentlich eher von Flüssen. An der Donau, am Rhein oder an der Mosel habe ich ähnliche gesehen. Unsere Tischnachbarn meinten, der Limfjord habe eine heftige Strömung in Richtung Ostsee - vermutlich. So ganz sicher waren sie sich da nicht. 


In der Innenstadt ist heute Abend richtig was los. Ganz anders als in den Städten die wir bisher kennengelernt haben. Überall Straßencafés,Restaurants und Bars.
Aber zuerst das Pflichtprogramm. Die Stadtkirche eher uninteressant und ausserdem geschlossen.
Der alte Klosterbezirk, sehr interessant, aber nicht öffentlich zugänglich, wird teilweise als Altenresidenz genutzt.




Die Fresken hätte ich sehr gerne gesehen!
Dann halt ins berühmte Bryghus gleich nebenan. Ein richtiges Brauhaus, mit dänischen Gerichten - neben den obligatorischen Hamburgern natürlich.
Seit Tagen ernähren wir uns, was die internationale Speisekarte so hergibt. Tapas, Spaghetti, Hamburger, Gyros (das original leckere Pfannengyros von Bofrost!) - oder auch mal hipstermäßig cool von bowls und veganer Pita, oder die dänische Variante von syrischem Essen. Aber was dänische Küche ausmacht, haben wir noch nicht so richtig raus gekriegt. Ok, panierter Fisch und Smørebrød, das kann man als dänisch springen lassen. Im Brauhaus komme ich heute gefühlt zum ersten Mal richtig mit dänischer Küche in Kontakt. "Bierpot" eine Art Stew mit Kartoffel, Schweinefleisch, Bacon, Würstchen... jetzt weiß ich, dänisches Essen ist nur ein Vorwand ist, um sich einen Akvavit zu bestellen. Und der berühmteste Akvavit kommt natürlich aus Aalborg. In Deutschland besonders beliebt ist der "Jubi" - der "Jubiläumsakvavit". Da das Aalborger Akvavitmuseum "dauerhaft geschlossen" ist, wird uns das genauso wenig wie das Fjordbad daran hindern Morgen zu unserer letzten Etappe auf Jütland aufzubrechen.

Aber ehe ich es vergesse! Der "Bierpot" hat sich auch in der Vogelwelt rumgesprochen. Wir alle kennen ja die Spatzen, die in Fußgängerzonen und Strandcafés rumlungern, um ein paar Pommes Frittes zu erwischen. Wenn dich aber Riesenmöven von oben beim Essen beobachtet, dann hat das eine andere Qualität.


Und ob Ihr es glaubt oder nicht, kaum waren wir aufgestanden, stürzte sich diese Möve auf unseren Tisch, um sich über den Rest des Bierpots herzumachen. Leider war ich nicht so schnell,um  ein Foto davon zu machen. Zumal die Leute von den Nebentischen sie sofort verjagt haben. Da sind mir unsere Spatzen eindeutig lieber als Resteverwerter.

Gehabt´s Euch wohl! Schaut Morgen wieder vorbei!

Dienstag, 27. Juni 2023

13. Tag: Von Aarhus nach Hobro

 27.Juni 2013

die Karte


Noch scheint die Sonne. Aber die vorbeirasenden Wolken und die heftigt bewegten Bäume lassen nichts gutes ahnen. Und es soll noch schlimmer kommen als wir uns vorstellen konnten. Schon auf den ersen Kilometern aus der Stadt wurden wir von heftigsten Böen überrascht, die uns fast vom Radweg gefegt hätten. Das war ein Schock!

Nach dem Zentrum,- es geht natürlich immer deutlich den Berg hinauf, wenn die Städte am Meer liegen, haben wir den Wind frontal! Nicht mehr so gefährlich, aber dafür um so häßlicher. Heute bläst der Wind wirklich ultrahäßlich.

Nach Berechnungen des metereologischen Institut Aarhus zählt bei Starkwind ein mit dem Fahrrad gefahrener Kilometer vom Kraftaufwand her,wie eine nautische Seemeile. So gesehen sind wir heute sehr deutlich über 100 km gefahren. Da gibt es heute kein Vertun. Heute bleiben wir auf dem Radweg der Bundesstraße 180, immer schnurgeradeaus bis Randers. Aber im rauf und runter - und zwar recht ordentlich. 

Spaß beiseite. Wir hatten heute bis zu 45km/h Windgeschwindigkeit, das ist nach Beaufort 

STURM !!

Für die 11 Uhr Banane verstecken wir uns hinter einigen Booten, die neben der Straße abgestellt sind. Hilft nicht wirklich.


Aber irgendwie ist die Stimmung trotzdem ganz entspannt. Schicksalsergeben treten wir mal langsam, mal sehr langsam, mal sehr, sehr langsam in unsere Pedale. Selbst bergab kann es vorkommen, dass wir nicht über 12 km/h kommen. Und ehrlich gesagt, je schneller desto gefährlicher sind die plötzlich wechselnden Windrichtungen.
Dennoch bleibt viiieel Zeit über all das Nachzudenken, was wir in den vergangenen 2 Tagen in Aarhus gesehen haben. Auch über die "Theologie". Da bin ich gestern wirklich auf dem Schlauch gestanden. Emblematische Bilder muss man von den Personen her deuten, die Attribute liefern die Hinweise. Also: Die Frau ist die Theologie. Sie hat einen abgeschlagenen Kopf in der Hand. Medusenhaupt? Eher männlich, eher maskenhaft, fast wie ein Dämon. Die Theologie triumphiert über den Aberglauben- könnte das etwa "Alessandro Graf von Cagliostro mit bürgerlichem Namen  Giuseppe Balsamo" sein, der mit seinen okultistischen Tricks und Betrügereien im ausgehenden 18.Jahrhundert die einflussreichen Kreise Europas reihenweise reingelegt hat? 
Und die Leine auf dem Schoss der Theologie wurde vom Hals des unaufgeklärten Volkes genommen. Ja, das kommt schon eher hin!
Gegen Mittag sind wir in Randers. Eine ausgiebige Pause ist dringend nötig.
Da es nicht wirklich viel vom heutigen Tag zu berichten gibt - außer Wind und Böen und Sturmwind, übergebe ich jetzt an Friederike weiter, auf dass sie auch noch was zu erzählen hat.

f) haha, ich hab heue genau ein Foto gemacht, nämlich das hier:



Es ging heute nur ums Treten, die Böen abfangen und sich gegen den Wind stemmen. Nichts mit Robbenbaby- faktor, mit Romantik und kleinen Weglein. Treten, treten, treten.

Ich hab sogar meine Lenkertasche nach hinten auf den Gepäckträger verfrachtet, damit der böige Seitenwind mir nicht so in den Lenker fahren konnte. danke Klaus, das war ja eigentlich schon immer deine Idee gell!

Das Foto hab ich gemacht, weil diese streng abgezirkelte gelb- blaue Kombi witzig aussah, aber auch weil man sonst fast keinen Raps und schon gar nicht Phacelia sieht. Hier auf Jütland haben  wir fast nur Monolulturen gesehen riesige Weizenfelder, aus denen kein einziges kleines Blümchen oder Kraut herausschaut, oder Mais oder Kartoffelns, keine Hecken dazwischen, keine Blühstreifen, wenig Brache. Und schon an der Nordsee ist uns aufgefallen, dass das Gras an den Wegen den Dämmen entlang grau und ausgetrocknet ist. Hier wird nicht gemäht, sondern gespritzt.

Und: es gibt keine Insekten! Keine Schmetterlinge, Bienen, Fliegen, Steckmücken, nichts. Wir sind noch kein einziges Mal durch Mückenschwärme durchgefahren, kein einziger Brummer ist mir bisher gegen die Brille geknallt, nichtmal Manne hat einen Schnakenstich abbekommen. Selbst im botanischen Garten in Aarhus, wo sie außerhalb der exotischen Pavillions einen dänischen Garten angelegt haben, mit Mohn, Lupinen, Glockenblumen, Hornklee, Margariten und Salbei, selbst da wimmelt es nicht von Insekten, keine einzge Biene hab ich gesehen.

Dort in Aarhus gabs einen kleinen "Öko"markt mit Infos und Mitmachaktionen zu Naturthemen und ich kam ins Gespräch mit einem jungen Mann, der über ein Regenwaldprojekt informierte. Ja, Dänemark hat ein hohes Insektensterben und es wird auf politischer Ebene nicht wirklich etwas getan. Allerdings waren auch die letzten fünf Wochen sehr heiß und es gab keinen einzigen Regentag (das war vor dem gestrigen Regenguß, "das Gespräch wurde  vor der Sendung aufgezeichnet"), normalerweise ist der Juni nass und noch kühl. Die Insekten haben sich in Erdlöcher o.ä. versteckt. Aber Hauptproblem ist die Landwirtschaft, Pestizide und Monokultur. Und die Dänen mögen keine Insekten, sagte der junge Kerl.

Er hat wohl gemerkt, dass mich das Thema wirkich umtreibt und zum Abschied hat er mir gute Fahrt gewünscht und dass ich noch einige Insekten sehe.

Ich muss immer an Maja Lunde und "die Geschichte der Bienen" denken, wie schrecklich diese Zukunftsvision.

In Randers- Mittagspause- hab ich ein richtig leckeres Roggenbrot mit Avokado gegessen, und das gute ist, dass ich jetzt mein langweiliges Vesperweckle essen kann und nicht mehr nach draußen muss. Manne muss noch was richtiges essen und ist grad losgezogen auf der Suche nach einem Restaurant in der Nähe. Das wird schwierig, wir sind nämlich ganz außerhalb in einer Jugendherberge/Landschulheim und es windet immer noch fürchterlich.

So, drückt uns die Daumen, dass sich der Wind ein bisschen beruhigt und dass die Schulklassen, die grad noch ums Haus toben, einermaßen ruhig sind heute Abend.

(m) Ich bin wieder zurück. Gut gesättigt und gestärkt. Ein Riesenhamburger, das war das, was am nächsten lag und nicht zu weit nach unten in Richtung Stadt.





Montag, 26. Juni 2023

12. Tag: Ruhetag in Aarhus

 26.06.2023

frieda) Ein wunderbarer Stadt- und Kunsttag, einmal heftiger Regen  beobachtet durch die Fensterscheiben im Kunstmuseum, und einmal Gewitter und Regenguß als Installation im Museum....und wir sind nie naß geworden.

Heute war das ARoS dran, das ist schon von außen ein Hingucker und als erstes muss man natürlich aufs Dach, in das "rainbow panorama". Die Welt in allen Farben und Farbmischungen:




Und dann arbeitet man sich langsam nach unten, jedes Stockwerk ist einem Thema gewidmet:
Im 8. Stock ist: "Human Nature", aus der ständigen Sammlung mit dänischer Malerei aus den letzten drei Jahrhunderten, mit Namen, die mit Sicherheit im sklandinavischen Raum sehr bekannt sind, aber uns ganz fremd.
Sehr oft geht es um berühmte Gönner und Gesichter, Familien,  griechische Mythen, dem Krieg zwischen Dänemark und Schleswig Holstein, aber natürlich auch Landschaften. Manchen Bildern wurde ein Kommentar einer Person zur Seite gestellt,- das ist eine sehr nette und witzige Idee!- eine Art Bildbeschreibung von Laien. mal war es ein Pfarrer, mal eine dänische Verlegerin und mal ein ehemaliger Footballspieler:
Der äußert sich dann so "...I like this picture..Look there are sheeps an a couple of cows and a dog. But where`s the dog`s owner and isn`t that dog a bit small?"
Und das stimmt, ihr könnts wahrscheinlich nichtmal sehen, so klein ist dieser Hund. Das Bild ist von Vilhelm Kyhn/ View of vejle Fjörd 1862

Auch die See, der Abschied der Männer, sei es zum Fischen oder in den Krieg ist immer wieder Thema:

Im 6 Stock dann eine super interessante moderne Zusammenstellung von  Abschied und Heimat "Far from home":
Am beeindruckendsten war für mich das Werk von Ismar Cirkinagic," Herbarium", 2006-2016
Er hat auf den Massengräbern in Bosnien und Herzegowina Pflanzen gesammelt, sie gepresst und katalogisiert- "Knowing this transforms the flowers from exquisites natural images into relics of a brutal, hidden past."
Und dann natürlich "Boy" von dem australischen Künstler Ron Muecks, 2000


Und danach erstmal Mittagspause, draußen regnet es, wir können uns also viel Zeit lassen und wir brauchen auch viel Zeit, denn der Service in der Cafeteria ist so grottenlangsam. Hier in Dänemark ist sehr vieles mit Selbstbedienung, selbst in Restaurants muss man sich manchmal das Besteck und das Wasser selber holen. Die Hotels waren bisher größtenteils mit self-checkin. Aber wenn es mit Bedienung ist, dann sind es fast außschließlich sehr junge, sehr freundliche, sehr engagierte Frauen oder Männer, eigentlich immer Einheimische. Also Jungs und Mädels die sich in den Ferien, oder während des Studium etwas dazuverdienen. Vielleicht gibt es auch sowas wie ein freiwilliges gastronomische Jahr? Jeder sollte mal bedienen müssen? Und fast immer ist das richtig nett, aber heute waren sie komplett überfordert vom Andrang an einem Regenmontag und standen sich gegenseitig nur im Weg.

Aber egal, wir hatten ja Zeit und nachmittags ging es weiter mit dem Staunen:
Die Installation von Janet Cardiff und George Bures Miller "Storm Room" von 2009 im unteren Stockwerk war etwas ganz besonders: Stellt euch einen altmodischen Raum vor, keine Möbel, nur ein Waschbecken, Linoleum, an der Decke gelbliche Wasserflecken, darunter Eimer. An zwei Seiten gibt es Fenster, und draußen regnet es ein bisschen. Man kann sich auf runde Kissen auf den Boden setzen. Der Regen nimmt zu, in der Ferne das erste Donnergrollen. Das Gewitter kommt näher, Blitz, Donner, immer schneller, immer lauter, der Regen trommelt auf das Dach, bei jedem Blitz erzittert der ganze Raum. Dann noch ein heftiger Blitzschlag und das Gewitter zieht ab, es hört allmählich auf zu regnen und draußen wird es wieder heller, die Sonne kommt zurück. In der Ferne grollt es noch ein bisschen.
Unglaublich, in zehn Minuten die ganze Furcht und schließlich die Erleichterung.

Nun darf der Manne mal loslegen:

(m) Das ARoS ist wirklich die Wucht. Es gehört zu den ganz großen. Sowohl was das Gebäude anbelangt, als auch die Sammlungsbestände, als auch die Sonderausstellungen. Das Regenbogenpanorama ist natürlich das Wahrzeichen. Es ist von Olafur Eliasson, der auch in der Abteilung  Installation Art noch einmal vertreten ist.
Die Architekten des Gebäudes haben sich vom Guggenheimmuseum inspirieren lassen, aber eine ganz eigene Lösung gefunden.


 Ich möchte jetzt nicht die einzelnen Stockwerke durchgehen. Ich zeige Euch lieber ein paar von meinen Lieblingsbildern. Der Tag hier im ARoS war wirklich sehr anregend.

Das erste Bild gebe ich gleich an Euch weiter: Wer kann mir damit weiterhelfen:


18.Jahrhundert. Es trägt den Titel "Theologie" und ist von Nicolai Abraham Abildgaard. Er kannte Füssli und war ein "Freidenker". Aber wie ist das Bild zu lesen? Das Haupt von Johannes dem Täufer? Liegt nahe, aber was hat das mit Theologie zu tun. Offensichtlich ein kritischer Kommentar. Auf ihrem Schoss hat die Dame eine Leine liegen. Irgendein Tier, irgendetwas, ist nicht mehr "an der Leine" also nicht mehr unter Kontrolle. Kann dafür die Theologie veranwortlich sein? Oder müssen Häupter rollen, damit das Volk aus sein "Unmündigkeit" befreit werden kann? Wirklich? Ein Däne? Und niemand hat sich über das Bild aufgeregt?


Und auch diese Darstellung ist höchst ungewöhnlich. Diese Schlange ist eine Python und wenn Eva nicht aufpasst, wird sie mal kurz eingewickelt. Und Evas Körperhaltung deutet auch nicht darauf  hin, dass sie die Anregungen der Schlange sehr attraktiv findet. Und Adam? Ach richtig, im Hintergrund kümmert er sich um die Pferde. Männergeschäfte eben. Und wenn der Baumstamm rechts der "Baum der Erkenntnis" sein soll, dann hat der auch schon bessere Tage gesehen, überhaupt scheint das Paradies in der ersten Klimakrise zu stecken.

Von allen Sonderausstellungen des ARoS war Erró die größte Überraschung für mich. Ich hatte wohl schon mal ein Bild von dem auf  Island geborenen Künstler gesehen. Aber diese Ausstellung ist anscheinend die größte Überblicksausstellung des 1932 in Olafsvik geborenen Künstler. 
Sein Werk changiert zwischen Surrealismus und Popart und er ist ein großart, bösartiger Kommentator der Kunst und Politik seiner Zeit. 


Dieser Kommentar zu Picassos weinenden Frau ist so was von aktuell, wenn man an die gegenwärtige Diskussion um sein Verhältnis zu Frauen denkt. Und dass er der Großmeister der Comiccollagen ist, damit hat er mich völlig auf seiner Seite!


Und auch die New Yorker Szene und vor allem Jackson Pollock bekommen ihr Fett ab. Großartig.


Und wie er Evard Munch und die chinesische Kulturrevolution zusammenbringt ist schon ziemlich verstörend.
Erró ist wirklich die Entdeckung heute gewesen! Danke, ARoS!


Ich kann mich nicht erinnern, wann ich je 6 Stunden in einem Kunstmuseum war - und es lag nicht daran, dass es draußen wie aus Kübeln gegossen hat.

Auch die anderen Abteilungen waren wirklich sehr sehenswert, sowohl die von Annette Messager als auch "Far from home" oder die Installationen im Keller. 
Aber ich will jetzt hier keine Kunstvorträge halten.

Wie Friederike erzählt hat, sind wir wir tatsächlich trocken durch den Tag gekommen, haben uns noch das großarte DOKK1 angeschaut. Eine tolle multifunktionierende Bibliothek, direkt an der Hafenfront, mit Kinderspielmöglichkeiten, Ausstellungen, Lesezonen, Chillgelände (wie man heute sagen würde) -   U N D - supercool


einer Art Glocke, einem riesen Gong, der immer dann ertönt, wenn im Klinikum in Aarhus ein Kind geboren wurde. Leider blieb die Glocke still, so lange wir dort waren. 
Solche Beispiele machen doch Laune. Wenn Reichtum und gute Ideen tatsächlich ab und zu zusammenkommen. Aber dänisches Geld scheint das immer wieder zu gelingen, so haben wir den Eindruck.

Gestern Abend sah es hier am "Hotel am Hafen" noch so aus. Heute Abend treibt der Wind schwere Wolken vor sich her. Es hat deutlich abgekühlt! Mal sehen was uns Morgen auf der Fahrt nach Hobro erwartet. Wir haben die Taschen schon mal umgepackt. Die Regensachen kommen jetzt ganz nach oben. Drückt uns die Daumen! Und schaut Morgen wieder vorbei!






 


Eine kleine Schlussbetrachtung

 Frieda) Also dass es zuhause doch am schönsten ist, kann ich nur bestätigen. Vor allem dann, wenn man weg war, und wenn man soooo lange weg...